Sim­ra­cing – don’t call it a game

SRC 24h Spa

Motorsportszene

In den letzten Wochen und Monaten hat die Motorsportszene so gut wie nicht stattgefunden. Die Branche hat genauso wie viele andere mit den derzeitigen Einschränkungen zu kämpfen, die einen geregelten Rennbetrieb praktisch unmöglich machen. Aber nur fast. Denn der Rennsport hat seit Jahrzehnten einen digitalen Bereich, der immer weiter wächst – derzeit sogar noch schneller als sonst.


Welche Rennformate gibt es?

Es gibt unzählige digitale Rennformate von Arcade-Titeln wie Forza Horizon, Need for Speed und ja, sogar Mario Kart bis hin zu realistischen Rennsimulationen wie Assetto Corsa, RaceRoom und natürlich iRacing. Wir gehen in diesem Artikel auf Letzteres ein: das simulierte, realitätsnahe Renngeschehen – kurz Simracing, das seitens der Fans und vor allem der Fahrerinnen und Fahrer nichts mehr mit der Definition von Spiel zu tun hat.


Was ist Simracing?

Der Begriff „Simracing“ setzt sich aus „Simulation“ und „Racing“ zusammen. Die Bezeichnung verdeutlicht, dass es kein Spiel im klassischen Sinn ist, sondern eine möglichst bis in die kleinste Schraube und die letzte Nachkommastelle des Reifendrucks simulierte Realität. Das Thema ist auch absolut nicht neu: Ende der Achtziger gab es die Anfänge der in Richtung Simulation ausgelegten Spiele wie Test Drive, Ende der Neunziger dann schon die erste Rennsimulation namens Grand Prix Legends mit 3D-Physik-Modell, 3D-beschleunigt und online spielbar. Die heutigen Simulationen arbeiten mit sogenanntem Force-Feedback, das mittels elektronisch gesteuerter Motoren im Lenkrad Gegenlenkbewegungen, konstante Zentrierkräfte und heftiges Ruckeln bei Kollisionen erzeugen kann, sowie mit einer bis ins Kleinste ausgearbeiteten Physik, die alle Einstellungen am Rennfahrzeug ermöglicht, die auch in der Realität einstellbar sind. Reifenabnutzung, Tankfüllung, Kollisionen etc. müssen ebenso beachtet und in der Boxengasse entsprechend behandelt werden.

In den letzten 30 Jahren kamen Dutzende Updates, Weiterentwicklungen und Neuerscheinungen von Rennsimulationen hinzu. Heute dominieren vier Simulationen (iRacing, rFactor2, RaceRoom und Assetto Corsa) die Szene. Für Szenefremde sind sie optisch kaum unterscheidbar; Geübte kennen jedoch die Eigenheiten der einzelnen Plattformen und haben sich oftmals aufgrund kleiner, aber feiner Unterschiede auf eine festgelegt. Auf diese vier Plattformen kommen Hunderte Clubs und Vereine, die sich deutschlandweit regelmäßig in Meisterschaften in unterschiedlichsten Rennklassen messen. Mehrere tausend Fahrerinnen und Fahrer sowie mehrere hunderttausend Fans widmen sich hier im Land regelmäßig dem digitalen Rennsport. Am beliebtesten sind Boliden aus der DTM, den GT-Klassen und der Formel 1, aber auch Formel E und MotoGP.


Online-Events im Simracing

Gerade in den letzten Wochen war das Thema Simracing aus den Rennsportnews nicht mehr wegzudenken und allgegenwärtig. Schlagzeilen machte z. B. das Online-Event „Race for Good“ von „Laureus Sport for Good“. In dieser Meisterschaft für gute Zwecke traten fünfzehn Profi-Rennfahrerinnen und -Rennfahrer sowie zehn Simracer in drei Rennen inklusive Qualifyings gegeneinander an. Unter anderem war Ex-Formel-1-Pilot Rubens Barrichello dabei. Echte Rennsportteams trainieren ihre Fahrerinnen und Fahrer schon seit Längerem über Simulatoren, da sich die digitalen Rennstrecken dank Laserabmessungen mit jeder Erhöhung und jeder Kerbe 1:1 im Vergleich zur Realität abfahren lassen. Somit ist der Lerneffekt für die Fahrerinnen und Fahrer im Prinzip derselbe, wenn es um das Üben der Streckenabläufe geht. In Verbindung mit einer Virtual-Reality-Brille und einem sogenannten Rig (durch Motoren beweglicher Rennstuhl mit Lenkrad, Pedalen und Schalteinheit) sitzt man dann quasi auch gefühlsecht im Rennwagen. Fehlt nur noch ein Heizelement vor den Füßen, das die aufsteigende Motorwärme im Wageninneren simuliert.


Die GTÜ als Sponsor des RaceRooms

Simracing

Die GTÜ kooperiert seit Mai 2020 in Form eines Sponsorings mit dem RaceRoom Sindelfingen, der in der Motorworld Region Stuttgart zu finden ist. RaceRoom bietet den Besucherinnen und Besuchern insgesamt vierzehn Simulatoren (neun bewegliche und fünf unbewegliche) mit Lenkrad, Bildschirm, Force-Feedback und allem, was dazugehört, um echtes Rennfeeling zu vermitteln. Auch Virtual Reality (VR) wird angeboten. Die fünfzig verfügbaren Strecken können mit vielen bekannten Rennklassen befahren werden. Die GTÜ ist auf allen Strecken als Logosponsor auf Werbeflächen vertreten – natürlich dort, wo es auch im Original Werbeflächen gibt. Wer etwas zum Vorzeigen für Familie oder Bekannte möchte, kann seine Fahrt auch aufzeichnen lassen und direkt nach dem Besuch über YouTube abrufen.

Der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) hat im November 2018 Simracing als eigenständige Motorsportdisziplin anerkannt. Das hat damals für Applaus, aber auch für Verwunderung gesorgt. 2020 gibt es zum Großteil keine Verwunderung mehr, sondern eher Ärger darüber, warum man z. B. als Motorsportteam nicht schon längst einen fähigen Simulator auf dem Firmengelände stehen hat. Die Technik wird in den nächsten Jahren noch feiner, auch der optische Unterschied zwischen dem Virtuellen und der Realität wird mit jedem Update geringer. Beides ist schon jetzt oft erst auf den zweiten Blick unterscheidbar. Verbunden mit steigenden Publikumszahlen und der Ortsungebundenheit macht das diesen Sport absolut zukunftsfähig und noch wichtiger: vielversprechender.