Rüdiger Abele
Freier Autor
25. Februar 2026

Sommerreifen im Härtetest: Auf Nässe entscheidet sich echte Sicherheit

Worauf achten bei der Wahl des Sommerreifens? Der aktuelle Reifentest der GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH, ARBÖ (Auto-, Motor- und Radfahrerbund Österreich) und Auto Zeitung zeigt es: Auf trockener Straße liegen viele Produkte nah beieinander – im Regen trennen sich sichere von riskanten Pneus.

Schwarze, runde Vielkönner

Ein guter Sommerreifen ist ein echtes Multitalent: kurze Bremswege, stabiles und berechenbares Fahrverhalten, Schutz vor Aquaplaning. Dazu kommen idealerweise auch leises Abrollen, Komfort und eine lange Lebensdauer. Obendrein spielen Umwelteigenschaften wie etwa Abrieb eine Rolle. Klingt nach einem Spagat? Ist es auch. Genau deshalb lohnt sich ein Blick auf unabhängige Tests, bevor neue Reifen montiert werden.

Zehn Kandidaten, ein klares Ziel

Für die Saison 2026 haben GTÜ, ARBÖ und Auto Zeitung zehn Sommerreifen der Dimension 235/45 R 18 geprüft – vom Premiumsegment (Continental, Goodyear, Michelin, Pirelli) bis hin zu Produkten aus der Mitte (BF Goodrich, Firestone, Maxxis) und günstigen Angeboten (Laufenn, Tercelo, West Lake). Das Ziel: Herausfinden, welcher Reifen die vielen Alltagsanforderungen am besten zusammenbringt.

Trocken: Die Abstände bleiben überschaubar

Auf trockener Straße bleibt das Feld insgesamt erfreulich eng zusammen. Beim Bremsen aus 100 km/h liegt der Continental vorn (32,8 Meter), während der West Lake den längsten Anhalteweg markiert (35,7 Meter). Auch beim Handling zeigen sich Unterschiede, doch selbst die schwächeren Kandidaten bleiben beherrschbar – wenn auch nicht so präzise und dynamisch wie etwa der Goodyear.

Nässe verändert alles: Hier zählt jeder Meter

Auf regennasser Fahrbahn zeigt sich dagegen ein ganz anderes Bild. Hier treten erhebliche Unterschiede zutage – und genau die sind sicherheitsrelevant. Der Continental Premium Contact 7 überzeugt mit sehr hoher Haftung und Bestwerten in mehreren Nass-Disziplinen. Auch Pirelli, Goodyear und Firestone zeigen bei Regen eine sehr gute Performance, wobei der Firestone besonders beim Aquaplaning punktet, gleichzeitig aber – wie auch Michelin und Maxxis – einen längeren Bremsweg aufweist.

Entscheidende Bremsweg-Meter

Wichtig: Die Messungen erfolgten auf besonders glattem Asphalt, wie er im Straßenverkehr zum Beispiel vor Kreuzungen vorkommen kann. Die Methode macht Risiken noch deutlicher sichtbar – und die sind bei einigen Reifen beträchtlich. Drei Discount-Modelle (West Lake, Tercelo, Laufenn) fallen durch zu lange Nassbremswege auf. Der Vergleich ist drastisch: Dort, wo der Testwagen mit den Continental stoppt, wäre er auf diesen Reifen noch mit deutlich über 30 km/h unterwegs.

Berechenbarkeit ist Sicherheit

Nicht nur das Bremsen entscheidet – auch das Verhalten nahe der Haftgrenze. Auf Nässe können plötzliche Lastwechsel oder unerwartete Reaktionen schnell kritisch sein. Reifen, die neutral bleiben und sich stabilisieren, entlasten den Fahrer spürbar. Im Test überzeugen hier vor allem Continental und Pirelli mit Berechenbarkeit und Eigenstabilisierung. Andere Modelle verlangen deutlich mehr Erfahrung – besonders wenn das Stabilitätsprogramm nicht eingreift.

Für Regenfahrten bitte keine Kompromisse

Solange die Bedingungen gut sind, schneiden alle getesteten Reifen insgesamt sicher ab und setzen eher individuelle Akzente bei Komfort, Handling oder erwartbarer Laufleistung. Auf nassem Asphalt jedoch werden die Unterschiede groß – und damit das Risiko. Sechs Reifen sind „sehr empfehlenswert“: Neben dem Testsieger Continental Premium Contact 7 erhalten auch Goodyear Eagle F1 Asymmetric 6, Pirelli Cinturato C3, Firestone Roadhawk 2, BF Goodrich Advantage 2 und Michelin Primacy 5 eine klare Empfehlung. Zusätzlich legt der Test den Firestone mit Blick aufs Preis-Leistungs-Verhältnis nahe, und für den Michelin gibt es eine Umweltempfehlung.

Der Sicherheits-Reminder der GTÜ

Reifen sind das einzige Bindeglied zur Straße. Wer vor der warmen Jahreszeit auf neue Pneus wechselt, sollte bewusst auf die Nass-Performance achten – denn Regen kommt oft überraschend. Und: Ein technisch sicherer Zustand ist nicht allein entscheidend für die Sicherheit im Straßenverkehr, sondern zahlt auch auf einen rundum guten Fahrzeug-Check ein – ob im Alltag oder mit Blick auf die nächste Hauptuntersuchung bei der GTÜ.

260223_Sommerreifentest_2026.pdf

TAGS:  GTü, SOMMERREIFEN, REIFENTEST, HäRTETEST, SICHERHEIT

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