Rüdiger Abele
Freier Autor
3. Juni 2026

Mehr Sicherheit durch geprüfte Sensorik

Moderne Fahrzeuge nehmen ihre Umgebung über Kameras, Ultraschall, Radar und Lidar wahr und können so auf externe Ereignisse angemessen reagieren. Damit diese zusätzliche Sicherheit im Straßenverkehr stets gewährleistet ist, müssen sämtliche Sensoren verlässlich funktionieren. Für die Hauptuntersuchung (HU) der Zukunft wirft die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH einen Blick auf die Sensordaten des Porsche Taycan Turbo S.

Das Auto als aufmerksamer Mitfahrer

Ein modernes Auto ist nicht mehr allein auf die Aufmerksamkeit des Fahrers angewiesen. Zahlreiche Helfer unterstützen ihn. Kameras erkennen Fahrbahnmarkierungen, Radar und Lidar erfassen das Umfeld, Ultraschallsensoren melden sich bei knappen Abständen. Viele dieser Informationen fließen in Assistenzsysteme ein – und liefern somit einen wichtigen Beitrag zur Fahrsicherheit des Autos im Alltag. Manches Assistenzsystem greift sogar in die Lenkung ein oder unterstützt Brems- und Beschleunigungsvorgänge. Dafür muss die Datenbasis absolut verlässlich sein.

Ein rollendes Messlabor

Auftritt eines schwarzen Porsche Taycan Turbo S: Der Elektrosportwagen sirrt vor die GTÜ-Zentrale in Stuttgart-Fasanenhof. Dort trifft er einen Ahnen, das rote 911 Cabriolet von GTÜ-Classic aus dem Jahr 1991 und mit kernig klingendem Boxermotor. Der Taycan ist erkennbar ein Erprobungsträger aus der Zuffenhausener Entwicklung: Aus dem Inneren führen Kabelstränge zum Dachträger, auf dem Messeinrichtungen befestigt werden können. Im Beifahrerfußraum liegen offen Leitungen fürs Anstöpseln der Laptops der Ingenieure. Der Kofferraum ist voller Mess-Equipment.

Sehen wie das Auto sieht

Tim Eberhardt, Doktorand bei Porsche, wird bereits vom GTÜ-Team erwartet: Marco Rödel, Leiter Forschung und Entwicklung, und die Referenten Felix Müller und Dr. Tuyen Nguyen begrüßen ihn. Auch die beiden Geschäftsführer Thomas Emmert und Dr. Frederik Schmidt verfolgen das Projekt mit großem Interesse und schauen vorbei. Ziel der GTÜ-Experten: Genau kennen zu lernen, wie der Taycan die Welt sieht. „In unserem Testlabor können wir uns direkt auf die Sensoren des Taycan schalten, um genau zu wissen, wie er die Umgebung erfasst“, erläutert Rödel. „Für uns als Prüforganisation ist dieses Wissen essenziell, damit die Hauptuntersuchung ihre Aufgabe für Sicherheit und Umweltschutz im Straßenverkehr vollumfänglich erfüllen kann. Denn diese umfasst auch die Funktionsfähigkeit der Assistenzsysteme.“

Sicherheit beginnt bei verlässlichen Daten

Ein Sensor ist nur so gut wie seine Zuverlässigkeit – und wie die erkannten Informationen im Fahrzeug weiterverarbeitet werden. Ein fehlerhafter Sensor kann die Umgebung nicht korrekt erfassen – mit Folgen für die Funktion von Assistenzsystemen. „Deshalb ist eine unabhängige Sensorprüfung mit klaren Kriterien ein wichtiger Baustein für die Sicherheit im Straßenverkehr“, sagt Rödel. „Und zwar ergänzend zum Eigencheck des Autos. Wer mit einem modernen Fahrzeug unterwegs ist, verlässt sich darauf, dass die sicherheitsrelevanten Systeme korrekt arbeiten.“

RepliCar: Forschung für präzise Sensorprüfung

Hier setzt das Forschungsprojekt RepliCar an (https://www.replicar-project.de), zu dessen Konsortium die GTÜ gehört. Für anspruchsvolle Aufgaben wie etwa das automatisierte Fahren hat es Fahrzeugsensoren und ihre Verarbeitungsketten im Blick, damit diese die Umgebung zuverlässig wahrnehmen. Porsche ist ebenfalls Teil des Konsortiums: der Auslöser für den Besuch des schwarzen Taycan vor der GTÜ-Zentrale.

Die Hauptuntersuchung weitergedacht

„Unsere Idee: Künftig einen Sensor-Check in die Hauptuntersuchung zu integrieren und damit die korrekte Datenbasis direkt an der Quelle zu prüfen“, erklärt Marco Rödel. „Dann können die Assistenzsysteme so zuverlässig arbeiten wie vorgesehen.“ Die HU entwickelt sich ohnehin ständig mit der Fahrzeugtechnik weiter. Zugleich soll sie effizient ablaufen und damit trotz des durch neue Fahrzeugtechnik gestiegenen Prüfumfangs für den Fahrzeughalter bezahlbar bleiben.

Zugang zu Sensordaten

Noch sind die Sensordaten in Serienfahrzeugen den Prüforganisationen jedoch nicht oder nur in sehr geringem Umfang zugänglich. Daher ist der Versuchsträger von Porsche so wertvoll für die Arbeit. „Aber das wird sich ändern, da bin ich absolut zuversichtlich“, sagt Marco Rödel. „Wir bauen auf die gute bestehende Zusammenarbeit mit Fahrzeugherstellern und Industrie auf vielen Gebieten der Fahrzeugüberwachung.“

Mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer

Mit ihrer Kompetenz im Forschungsprojekt RepliCar macht die GTÜ deutlich: Moderne Mobilität braucht moderne Prüfmethoden. Denn nur wenn Sensoren zuverlässig arbeiten, können Assistenzsysteme ihren Beitrag zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr in allen Verkehrs- und Wetterlagen leisten. Ein Sensor-Check schützt alle Fahrer, Mitfahrer und andere Verkehrsteilnehmer. Je mehr Fahrzeuge mit vernetzten und automatisierten Funktionen unterwegs sind, desto wichtiger wird die regelmäßige, unabhängige Prüfung ihrer technischen Grundlagen im Rahmen der Hauptuntersuchung. Das rote 911 Cabriolet freilich wird auf diesen Check weiterhin verzichten: Es hat keinerlei Umfeldsensoren.

TAGS:  GTü, SICHERHEIT, SENSOREN, REPLICAR, SENSORIK, AUTOZUKUNFT

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