Elmar Brümmer
Freier Autor
29. April 2026

Wenn Benzin nach Espresso riecht - ein Blick in die neue Oldtimer-Szene

Wer glaubt, dass das, was unter der Fronthaube oder im Heck steckt, das Wichtigste ist bei der neuen Art Treffen dieser Autoliebhaber, der hat den Trend verschlafen. An diesem Tag, irgendwo in der Nähe von Stuttgart, ist es eindeutig eine Siebträgermaschine. Die macht zischende Laute, die einen stolzen Wagenbesitzer zurecht erschrecken würde, säße er in seinem gut gepflegten Fahrzeug. Aber in diesem Fall nimmt der Mann, der an den Flanken seines 911 Targa lehnt, genießerisch einen Schluck aus der Tasse, und wir verstehen: keine Community ohne Kaffee.

Jeder kann hier sein Gutachten abgeben

Wertgutachten beim Oldtimer-Experten der GTÜ sind das eine, und eine Menge der Wochenend-Gäste besitzen das auch. Aber das andere ist eben: öffentlich zeigen, was man in der Garage hat. Begutachten von Gleichgesinnten oder auch nur staunenden Besuchern. Die Treffen der Car-Communities, meist nach Marken oder Kategorien sortiert, erfreuen sich seit ein paar Jahren steigender Beliebtheit, sorgen in den Outlook-Kalendern auch für Einträge am Samstag oder Sonntag. In einer Welt aus steriler Elektromobilität, Assistenzsystemen oder Software-Updates sehnen sich viele nach Mechanik, Geräuschen und Originalität. Alte Sportwagen sind mehr als nur Fortbewegungsmittel, sie sind ein Erlebnis. Und das will geteilt werden.

Was verbirgt sich bloß hinter HEIZR?

So entstehen Treffen, die ein anderes Publikum anzieht, als früher der Gebrauchtwagenmarkt im Autokino: Erstaunlich jünger, meist zwischen Mitte 20 und Mitte 40, lifestyle-orientiert und natürlich auf Instagram zuhause. Und es geht, wie teuer mancher zur Schau gestellte Wagen auch sein mag, nicht um etwas Elitäres, sondern um ein gemeinschaftliches Erlebnis, das längst aus dem Straßenverkehr verschwunden scheint: die Freude am Automobil. Der HEIZR Club, der in der Nähe von Stuttgart zuhause ist, bringt die kollektive Freude ziemlich gut auf den Punkt: Hier stehen Menschen vor Autos. Über das gemeinschaftliche Erlebnis entstehen Freundschaften. Gelegentlich ist ein wilder Mix aus Szene und Subkultur.Nicht ohne Grund ist die GTÜ in diesem Jahr Partner der erfolgreichen Veranstaltungen. 

Auf die Umgebung kommt es auch an

Gelegentlich ist ein wilder Mix aus Szene und Subkultur, der sich auf liebenswerte Weise in den Communities spiegelt. Weit wichtiger als Marktwert und Originalzustand scheinen die Locations – vorzugsweise ist es die Ästhetik alter Industrieanlagen, Eventlocations wie die Motorworld oder auch vor dem Museum von Mercedes-Benz. Merke: Auch das Ambiente kann die Stimmung heben. Denn fotografiert wird auf diesen stilvollen Parklätzen mindestens so viel wie diskutiert. In Hamburg haben die Car-Enthusiasten bei ihren häufig auch spontanen Treffen den Vorteil, dass es die Hafen-Optik im Hintergrund gratis gibt. München spielt das Ganze meist eine Spur luxuriöser, aber das sind sie sich in der Stadt von Baby Schimmerlos auch selbst schuldig. Allerdings merken echte Enthusiasten schnell, wenn die Dinge zu artifiziell werden und ziehen weiter. An anderen Orten entstehen neue Communities, so kommt eine Idee richtig ins Rollen. Viele kommen wegen der Autos – und bleiben wegen der Menschen.

Aktuelle Termine gibt es unter:

www.heizr.com/tickets

www.mercedes-benz.com/de/kunst-und-kultur/museum/veranstaltungen/classics-coffee/

www.motorworld.de

https://www.vhcle.co

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