Warum wir unseren Autos Namen geben
Von „Froschi“ bis „Rössli“: Die heimliche Taufe auf vier Rädern.
Diese Kolumne erscheint verfrüht. Sogar viel zu früh. Denn der „Gib-Deinem-Auto-einen-Namen-Tag" soll erst am 2. Oktober sein. Es könnte ohnehin so sein, dass es sich bei dem Gedenk-Datum nur um den Werbegang einer Autovermietung handelt. Aber wir berichten trotzdem, und wir berichten auch jetzt: angesichts jener großen Anzahl Menschen, die ihren Weihnachtsbaum erst am 23. Dezember kaufen, kann man nicht früh genug anfangen, seinem Auto einen Namen zu geben.
Zwiesprache mit dem eigenen Auto
Wenn Sie nach dem „Warum?" fragen, sollten Sie vielleicht nicht weiterlesen. Denn von hier an wird es zum Teil romantisch, grundsätzlich aber auch sehr persönlich. Es geht um „Berta“ und „Schorsch“, „Froschi“ und „Schurli“, „Heidi“ und „Rössli“ – den Favoriten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. So sachlich, wie es uns der Begriff Anthropomorphismus weismachen möchte, der für die Vermenschlichung lebloser Objekte steht, ist die Angelegenheit nämlich ganz und gar nicht. Wer einen Autos Namen gibt, beweist soziale Intelligenz – und zeugt von einer emotionalen Bindung. Und, ganz ehrlich, wer hat in kritischen Situationen („Lass mich jetzt bloß nicht im Stich") noch nie Zwiesprache gehalten mit seinem Auto?
Die Marken mit den meisten Spitznamen
Eben. Und zu einer intimen Ansprache gehört immer auch der Spitzname. 40 Prozent der Autofahrerinnen sehen das so, mindestens 15 Prozent aller Männer auch. Die Dunkelziffer ist, wie immer bei solchen Umfragen, hoch. Ähnlich wie bei den Babynamen des Jahres, gibt es Hitlisten für die automobile Taufe. „Berta“, „Emma“ oder „Kathy“ standen zuletzt ganz oben bei den Frauen, „Dicker", „Baby" und „Schorsch" fanden die Männer am schönsten. Interessant auch, das am häufigsten Besitzer der Marken VW, Opel und Renault Kosenamen vergeben. Keine Frage, Autos haben einfach Charakter.
Willkommen in der Familie
Mit dem Namen wird das Auto praktisch zum echten Familienmitglied, und zu denen muss natürlich eine emotionale Beziehung aufgebaut werden. Wem das ein bisschen peinlich ist, zumindest öffentlich, der spricht einfach von Individualisierung. Zumal diese, entgegen der Preislisten der Hersteller für Sonderausstattungen, gratis ist, nur ein bisschen Fantasie oder Liebe benötigt. Sein Auto anzusprechen, macht auch etwas mit uns selbst, es ist ein Ausdruck höherer Wertschätzung. Wir übernehmen damit gefühlt auch mehr Verantwortung. Und schließlich, behaupten die Psychologen, ist die Namensgebung auch ein unbewusster sozialer Mechanismus, der aus der Evolution stammt: Das Vertraute gibt uns ein Gefühl von Sicherheit. Ganz wichtig aber sei es, den Namen selbst auszusuchen, und nicht etwa die K.I. Die wäre sicher nie darauf gekommen, einen Golf „Hugo" zu nennen, aber der Name kam nun mal im Lieblingssong der Besitzerin vor.
Auch Rennfahrer tun das
Selbst Formel-1-Piloten setzen gelegentlich auf den Bindungseffekt. Der vierfache Weltmeister Sebastian Vettel hat seinem Red-Bull-Rennwagen stets Frauennamen gegeben, „Hungry Heidi" zum Beispiel. Sein britischer Kollege Jenson Button, Champion der Saison 2009, entgegnete darauf angesprochen: „Vielleicht verbringt er ja zu wenig Zeit mit seiner Freundin..."