Viel Chrom und noch mehr Gänsehaut
Ein glänzendes Automobilwochenende am Comer See
Es gibt Orte, an denen Automobilkultur nicht einfach nur ausgestellt wird. Sie wird gelebt. Der Comer See gehört definitiv dazu. Wenn sich rund um Cernobbio, die Villa d’Este, die Villa Erba und die umliegenden Villen historische Fahrzeuge, moderne Sportwagen, Sammlerinnen und Sammler, Motorsportlegenden und automobile Enthusiasten treffen, entsteht eine ganz besondere Atmosphäre. Genau dort durfte ich in diesem Jahr beim Concorso d’Eleganza Villa d’Este und beim FuoriConcorso vor Ort sein.
Klassiker haben eigene Gesetze
Unsere Reise begann standesgemäß als Teil der Heizr Crew in einer größeren Gruppe, begleitet von diversen wunderschönen Fahrzeugen. Eigentlich sollte auch mein W126, liebevoll „Alfons“ genannt, mit an den Lago fahren. Kurz vor der Abfahrt quittierte er allerdings den Dienst. Klassiker eben: Man liebt sie, aber sie haben manchmal ihren ganz eigenen Zeitplan. Also hieß es für mich kurzfristig: umsteigen auf ein neueres Modell.
Die Villa öffnet ihre Tore
Am Freitagabend klarte der Himmel pünktlich gegen 19 Uhr auf – fast so, als hätte das Wetter auf den offiziellen Startschuss gewartet. Den Auftakt machte „Carpe Noctem“ in der Villa Erba. Das Thema des Wochenendes war unter anderem der BMW M3, der sein 40-jähriges Jubiläum feiert. Entsprechend standen besonders die E30-M3-Modelle und ihre motorsportliche Geschichte im Fokus. Zwischen Lichtstimmung, Seeblick, Villa-Architektur und sorgfältig ausgewählten Fahrzeugen war schnell klar: Dieses Wochenende würde mehr werden als nur ein klassisches Autoevent.
Weißwurst und BMW-Legenden
Am Samstag ging es weiter mit „Amici & Automobili“ und einem Weißwurstfrühstück der Münchner Gastgeber. Auch die Auktionshalle war ein Erlebnis für sich. Dort standen 70 ganz besondere Sammlerfahrzeuge, unter anderem ein Bugatti Type 43 Roadster von 1929, ein Bugatti Type 37 Grand Prix von 1926, ein Ferrari F40 von 1990 und ein BMW M3 GTS von 2011. Leben in den Rundgang brachten die drei BMW-Rennfahrerlegenden Johnny Cecotto, Roberto Ravaglia und Emanuele Pirro mit ihren Erzählungen.
Auch die Polizei ist fasziniert
Die automobile Faszination entfaltet sich nicht nur auf den offiziellen Veranstaltungsflächen, sondern auch auf den Straßen rund um Como – gefühlt kommt ganz Europa zusammen, um seine Schätze auf die italienischen Landstraßen zu bringen. So kommt es zu Momenten, die wahrscheinlich wirklich nur dort passieren: Wenn sogar die örtliche Polizei einen auffordert, den Motor einmal aufheulen zu lassen. Leidenschaft und Gänsehaut pur.
Schmankerl fürs Auge
Für mich war der sonntägliche Fuori Concorso der Höhepunkt des Programms. Unter dem Motto „KraftMeister“ stand dort deutsche Ingenieurskunst im Mittelpunkt. Von Motorsport-Ikonen über Straßensportwagen bis hin zu modernen Studien und Sondermodellen war alles vertreten. Audi zeigte in der Villa Sucota eine beeindruckende Verbindung aus Motorsportgeschichte und Zukunftsausblick: vom Audi Sport quattro über den R18 e-tron quattro bis hin zum Formel-1-Auto R26. Auch Mercedes-Benz hatte stark aufgefahren und zeigte im Schnelldurchgang die große DTM-Geschichte des 190 E. Ein weiteres Highlight war der Mercedes-Benz 300 SLR aus dem Jahr 1955, eine Ikone der Marke – und der Mille Miglia.
Die Kunst, ein Porsche zu sein
Porsche präsentierte sich ebenfalls eindrucksvoll und zeigte mit Fahrzeugen wie dem Porsche 962, dem 917 in der Langheck-Version und dem 908 Modelle, die Renngeschichte geschrieben haben. Im 911 Air-Cooled Pavilion standen außerdem besondere luftgekühlte Ikonen wie ein Porsche 911 2.4 ST Tour de France von 1971 oder ein 964 RSR. Zwischen den Villen und dem Blick auf den Comer See wirkten die Fahrzeuge fast wie Kunstwerke.
Faszination im Reisegepäck
Was ich von diesem Wochenende mitnehme? Dass Automobilkultur nicht nur aus Daten, Leistung und Baujahren besteht. Sie lebt von Geschichten, Begegnungen und Momenten. Von ganzen Zuschauertrauben, die sich in den Straßen versammeln, um besondere Autos zu bestaunen. Und von diesem besonderen Gefühl, wenn am Lago di Como Motoren und Menschen zusammenkommen. So wird aus Exzellenz leicht Ekstase, in jedem Fall aber ein Erlebnis.