Schon vor 90 Jahren die Führerscheinprüfung erleichtern
1936 bringt Schuco ein neues Spielzeugauto heraus. Genial ist die Vermarktung: Der kleine Grand-Prix-Rennwagen ist zugleich „das lenkbare Fahrschul-Auto“. So nutzt der Hersteller die doppelte Begeisterung für Mobilität und Motorsport – und bringt zugleich Spaß ins Lernen für den Führerschein.
Lenkung, Differenzial und Federwerkmotor
Das Automobil steht in den 1930er-Jahren für Moderne und Innovation, für den Traum von der motorisierten Individualmobilität. Der Nürnberger Spielwarenhersteller Schuco (eine eingängige Abkürzung für Schreyer und Co.) erfüllt technikbegeisterten Kindern und Jugendlichen diesen Traum vor 90 Jahren mit einer Neuheit, die in der Branche für Furore sorgt: Das Blechauto „Studio“ hat eine funktionierende Lenkung, Differenzialgetriebe, wechselbare Räder und einen Federwerkmotor.
Üben für den Führerschein
Genial ist das Marketing: Schuco wirbt für das Modell als „das lenkbare Fahrschul-Auto zum Einüben der Fahrkunst“. Klare Botschaft: Mit dem Mini-Renner lassen sich spielerisch Kompetenzen erlernen, die für den Führerschein wichtig sind – der Eintrittskarte in die eigene Teilnahme am motorisierten Individualverkehr. Eine Broschüre liegt bei. Sie erläutert das richtige Einparken am Straßenrand und in der Garage, den Räderwechsel, aber auch die Funktion des Differenzials und die damals gültigen Autokennzeichen. Im Programm hat Schuco das hübsche Modell nebst Anleitung derzeit nicht. Vor einigen Jahren hatte der Hersteller es neu aufgelegt, für diese Ausführung finden sich zahlreiche Kaufangebot im Netz.
Effiziente und verlässliche Fahrerlaubnisprüfung
Der Führerschein ist heute so wichtig wie damals. Er steht für gesellschaftliche Teilhabe und sichere Individualmobilität. Umso ärgerlicher, dass in den vergangenen Jahren die Wartezeiten für eine Fahrerlaubnisprüfung deutlich gestiegen sind und auch die Kosten. Die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung plädiert deshalb für eine effizientere und zukunftsfähige Organisation der Fahrerlaubnisprüfung. Das kann durch die Öffnung für weitere qualifizierte Anbieter geschehen. Die Prüfingenieurinnen und -ingenieure der GTÜ stehen dafür bereit.
Technik mit Anspruch
Mit dem Original des Schuco-Renners wurde Rudolf Caracciola 1935 Europameister – vergleichbar mit dem heutigen Formel-1-Titel. Bei aller spielerischen Begeisterung vermittelt das Modell breite pädagogische Inhalte. Sogar die Räder muss man noch montieren, Werkzeug liegt bei. Zum Aufziehen des Motors dient die „naturgetreue Andrehkurbel“, oder man nutzt das Reibrad im Boden des Spielzeugs. Heute würde man sagen, der Rennwagen vermittelt „MINT“-Inhalte (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Und dann auch noch kostengünstig für die Führerscheinprüfung üben – welche Weitsicht vor 90 Jahren.