Mit Freude am Schrauben weiter voran
Der GTÜ-Blog begleitet die Restaurierung eines seltenen Mercedes-Benz 170 Db Kombi aus dem Jahr 1952.
Drei Freunde pflegen seit vielen Jahren ein gemeinsames Hobby – sie restaurieren Oldtimer. Jede Woche treffen sie sich und bringen auf die Straße, was dort schon lange nicht mehr zu sehen war. Das aktuelle Objekt von Claus, Stefan und Thomas: ein Lueg-Kombi auf Mercedes-Basis – abgemeldet seit 1978. Die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbh begleitet das Projekt. In Folge 3: Karosserie, Bremsen und ein erster Blick auf den Motor.
Bloß nicht komplett zerlegen
„Endlich sind wieder beide Scheinwerfer montiert, da schaut unser 170 gleich viel hoffnungsvoller in die Welt hinaus“, sagt Claus und lacht. Ernsthaft ergänzt er: „Ohne Lichter und Stoßstangen wirkt ein Auto trostlos. Da mag man gar nicht anpacken.“ Das erfahrene Restaurierungs-Trio arbeitet Abschnitt für Abschnitt. Nichts wird zerlegt, an dem nicht gearbeitet wird. „Viele Hobby-Schrauber sind nach einer Totalzerlegung eines Oldtimers überfordert“, erklärt Claus, „die Aufgaben sind nicht mehr überschaubar, und der Platzbedarf ist enorm.“ Heißt im Fall dieses alten Mercedes: Erst ist die linke Seite an der Reihe, die rechte folgt später.
Nachgefertigter Türschweller
Der originale linke Vorderkotflügel ist kaum zu retten und wird verschrottet. Ein gebrauchtes Ersatzteil ließ sich auftreiben. Nach dem Sandstrahlen und dem Montieren des Scheinwerfers wird er in Position gebracht. Anspruchsvoller ist die Instandsetzung des sehr komplex konstruierten Karosserieschwellers. „Da gibt es nichts zu kaufen“, weiß Claus. Also wird nachgefertigt und mit Kotflügeln und Trittbrett angepasst.
Lueg in Bochum
An dieser Stelle ein rascher Blick in die Modellhistorie. Mercedes-Benz sah Ende der 1940er-Jahre zu wenig Kunden für einen Kombi. Anders schätzte der größte private Mercedes-Händler die Lage ein, die Firma Lueg in Bochum. Auf Basis der bis 1955 hergestellten Vorkriegskonstruktion 170 V bot Lueg zwischen 1949 und 1953 Kombiaufbauten mit damals noch üblichen Holzhilfsrahmen an, darunter auch wenige Exemplare als „Reisevertreter-Wagen“. So ein seltenes Exemplar haben die drei Freunde vor sich, stark angerostet, aber komplett.
Künstler mit Pappe und Blech
Zum großen Glück fährt Stefan eine 170-Db-Limousine von 1953. An diesem Vorbild orientiert sich Claus. An Schweller, den Blechen im Radhaus und der hinteren Seitenwand nimmt er genau Maß und fertigt Pappschablonen an. Nach ihnen entstanden an mehreren Werkstattabenden neue Blechteile für den seltenen Kombi. Unglaublich: Der hintere Kotflügel links ist ein original altes Neuteil. Jahrzehntelang lag es beim Händler, der es jetzt in Ebay angeboten hat. „Das hat auf uns gewartet.“
Ein erster Motorcheck
Stefan kennt sich aus: „Beim Dieselmotor handelt es sich um den robusten Vierzylinder-Vorkammer-Dieselmotor OM 636, aus 1,8 Litern Hubraum schöpft er 40 PS.“ Das Motoröl wurde abgelassen, dann haben die drei Freunde es genau beurteilt. „Keine Späne und kein Schlamm“, urteilt Thomas, „der Wagen wurde offensichtlich nicht wegen eines Motorschadens abgestellt.“ Er erklärt die nächsten Schritte: Ausbau der Glühkerzen, Messen der Kompression mit Hilfe des Anlassers. „Wenn alles passt, sollte der gute alte Diesel anspringen.“ Vielen historischen Motoren machen fünf Jahrzehnte Standzeit nichts aus, wissen die Schrauber aus Erfahrung. Der Wagen hat 430.000 Kilometer zurückgelegt. Ob es sich um den ersten Motor handelt? Claus: „Gut möglich, aber ich hoffe es nicht.“
Keine Kompromisse bei den Bremsen
Claus zieht eine Bremstrommel ab und zeigt viele glänzende Teile: Sie sind flammneu. Radbremszylinder, Schläuche und Bremsbeläge sind als Ersatzteile verfügbar. Claus: „Bei den Bremsen gehen wir kein Risiko ein.“
Fazit: Die nächste Reise kommt bestimmt
Claus, Stefan und Thomas haben erst Anfang Juni mit einem 170 V, einem 170 S-D (beide 1953) und einem VW Bus T2a (1969) der attraktiven Stadt Maastricht einen Besuch abgestattet. „Beim der nächsten Oldtimer-Reise im Frühjahr 2027 soll der Lueg-Kombi im renovierten Originalzustand dabei sein“, hält Claus fest. Ob der dann 75 Jahre alte Oldtimer fit genug ist für weite Strecken? Der GTÜ-Blog wird über den Fortschritt der Restaurierung berichten.