Peter Thomas
Freier Autor
16. März 2026

Kleben und kleben lassen

Der Bau der GTÜ-Prüfstelle im Maßstab H0 geht in die zweite Runde: Die Frühlingstemperaturen erlauben endlich das Lackieren. Zugleich die Voraussetzung, dass danach erste Wände mit Kleber, viel Geduld und Fingerspitzengefühl wachsen dürfen.

Minimalistisch

Bausätze und Modellautos im Maßstab 1:87 sind wohl über die Jahre geschrumpft. Oder gibt es eine andere Erklärung, dass die Kunststoffspritzteile der Werkstattausrüstung so winzig wirken? Na ja, vielleicht waren doch die eigenen Hände in den 1980ern filigraner, und die Augen blickten schärfer in die Welt. Jedenfalls liegen Lupenbrille und Pinzette bereit.

Häuslebau

Der Hallenbausatz ist wie bei Faller erwartet präzise gefertigt. Die aufgedruckte Fassadenwerbung einer Landmaschinenwerkstatt freilich weicht noch vor dem Zusammenbau einem weißen Anstrich – passend für eine moderne GTÜ-Prüfstelle. Gut, dass das Thermometer im März wieder stabil zweistellige Zahlen zeigt: Nichts wie raus in die Garage mit der Modellbau-Lackierecke. Jetzt friert es den Hobbylackierer dort nicht, vor allem jedoch gelingt ein sauberer Lack nur bei guten Plusgraden.

Konstruktive Tätigkeit: Die Wandelemente werden mit den Ständern verklebt.

Pinsel, Dose oder Airbrush?

Die Airbrush-Ausrüstung mit zig Farbtöpfchen und viel chromglänzendem Zubehör ist noch ein ferner Traum. Für die großen Wandflächen der Prüfstelle genügt klassischer Acryllack aus der Sprühdose. Spritzreste der Kunststoffteile dienen als Probestücke. Erster Versuch: schönes Lackbild, doch die Hochglanzoberfläche wirkt zu aufdringlich. Mit Mattlack im Farbton „Verkehrsweiß“ sieht es besser aus.

Handwerk

Während die zweimal getünchten Fassadenteile in der Frühlingswärme trocknen, wird die erste Hebebühne zusammengesetzt, ein Bausatz von Busch. Darauf kommt ein VW Käfer von Wiking. Vielleicht erhält der bald ein GTÜ-Oldtimergutachten? Für den Hintergrund des Dioramas eingeplant ist der im ersten Teil der Blog-Serie erwähnte historische Autotransportwagen von Märklin. Die Fracht begeistert auch nach 50 Jahren: Oben stehen zwei Porsche 911, unten zwei Käfer.

Fachkräfte

Wer die Modellautos prüfen wird? Der Hersteller Noch bietet das Set „Kfz-Mechaniker“, die werden in GTÜ-Prüfer verwandelt. Ansonsten sind Figuren für den Autobereich im Maßstab 1:87 rar. Naja, immerhin heißt das Ganze ja auch Modelleisenbahn und nicht Modellautobahn. Obwohl – so etwas gab es einmal von Faller. Das System nannte sich Auto-Motor-Sport (ams) und bot Straßenverkehr in Maßstäben um 1:70 nach dem technischen Prinzip des Slotracing. Wer es sportlicher wollte, griff damals zur Themenpackung „Nürburgring“.

Zukunftsvision

Die Vielfalt der Minimenschen als Komparsen im Diorama dürfte dank moderner Produktionstechnik künftig zunehmen. Noch aus dem Allgäu arbeitet mittlerweile zusätzlich zum Kunststoffspritzguss mit farbigem 3-D-Druck. Diese Serie „3D-Master“ gibt es seit 2023, sie eignet sich besonders für Kleinserien und feine Details.

Baukastensystem

Die Halle ist das Herzstück der neuen Modellprüfstelle. Die Handgriffe beim Bau wecken Erinnerungen: das Versäubern der aus ihren Spritzlingen gelösten Komponenten, der Kleber aus der langen Metallkanüle. Am Anfang ist der Bau mühselig, doch langsam kommt die Routine zurück. Schließlich entstanden in dieser Werkstatt schon vor rund viereinhalb Jahrzehnten ganze Bahnhöfe, Lokschuppen und Klöster. Nur die Anleitungen sind heute deutlich detaillierter als damals.

 

Fassade

Am Ende eines langen Abends steht die Fassade auf der Grundplatte. Seitenwände und Rückwand sind gleichfalls gepuzzelt, der Kleber darf aber noch trocknen. Ein Rolltor mit GTÜ-Design ist als Papierausdruck montiert, Schriftzug und Logo sind provisorisch angebracht – ein Zwischenschritt, um das gewünschte Ergebnis schon einmal vor Augen zu haben. Hat Spaß gemacht – obgleich Kleber an den Fingerspitzen pappt.

E-Mobilität

Wie es weitergeht? Als nächstes werden die anderen Wände aufgestellt, vorher die Bodenplatte lackiert. Dann kommen die horizontalen Fachwerkbinder des Goldbeck-Werkhallensystems an die Reihe und schließlich das Dach sowie der Eingangsbereich. Wenn dann die Werkstatteinrichtung zusammengebaut ist und der Briefträger endlich die online bestellte Ladesäule für den Kundenparkplatz vor dieser kleinen und feinen GTÜ-Prüfstelle gebracht hat, ist es Zeit für den nächsten Baubericht.

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