Michael Petersen
Freier Autor
16. Februar 2026

Ein Kombi wird aus dem Dornröschenschlaf geweckt

Der GTÜ-Blog begleitet eine ungewöhnliche Restaurierung, Folge Eins

Drei Freunde pflegen seit vielen Jahren ein gemeinsames Hobby – sie restaurieren Oldtimer. Jede Woche treffen sie sich und bringen auf die Straße, was dort schon lange nicht mehr zu sehen ist. Das aktuelle Objekt von Claus, Stefan und Thomas: ein Mercedes-Benz 170 Db Kombi aus dem Jahr 1952, abgemeldet seit 1978. Die GTÜ begleitet das Projekt. In der ersten Folge geht es um grundsätzliche Tipps aus jahrzehntelanger Erfahrung – und auch darum, wie man dem Schrauber-Blues entgegenwirkt.

Ein seltener Mercedes-Benz von 1952

Mercedes-Benz Kombis ab Werk gibt es erst seit 1977, als das T-Modell der Baureihe 123 eingeführt wurde. Davor verwandelten freie Werkstätten in kleinen Stückzahlen Limousinen in Kombis. Dazu gehört dieser 170 Db: Die Firma Lueg in Bochum hat die Karosserie modifiziert – mit einem durchaus eleganten Ergebnis. Meistens waren die Autos als Krankenwagen im Einsatz, nur wenige Fahrzeuge gelangten in Privathand. Diesen Diesel-Kombi kaufte 1952 ein Vertreter für Fleischereibedarf. Der Mann war kriegsversehrt, ein Handgasrad ermöglicht ihm ein behindertengerechtes Fahren. 26 Jahre fuhr er den Wagen, bis 1978: Nach 430.000 Kilometern stellte er den Kombi ab, seither wurde der Mercedes-Benz nicht mehr bewegt. Was Claus sehr freut: „Mindestens 50 Prozent des Lacks sind original.“

Claus, Stefan und Thomas

Die drei Freunde haben im Beruf handwerkliche Fertigkeiten erlangt, doch in der Herrenberger Privatwerkstatt treffen sie sich seit Jahrzehnten fürs pure Vergnügen und abseits jeglicher Gewinnabsichten. Welche Fahrzeuge sie sich greifen? Egal, Mercedes-Benz, NSU, Alfa Romeo, Borgward, Lloyd – die Vielfalt in den vergangenen Jahren war groß. Sie bevorzugen Autos aus den 1950er- und 1960er-Jahren. Die Gründe: überschaubare Technik, die häufig entspannte Ersatzteillage, eigenständiges Design. Einhellige Meinung: „Wir haben schon so manchen hoffnungslosen Fall zurück auf die Straße gebracht.“

Ziel einer Restaurierung

Ein weiteres gemeinsames Ziel: Mit schönen Wagen in ferne Länder reisen, etwa ans Mittelmeer, ins Burgund oder in die Niederlande. Für die Fernfahrten müssen ihre Oldtimer ordentlich dastehen und prima laufen. Eine Zustandsnote Eins nach der Restaurierung streben sie nicht an, das bereite nur unnötig Stress. Thomas: „Ich musste lernen, den Perfektionismus zurückzustellen. Der höchste Aufwand kostet viel Zeit und trübt die Freude am Fahren, weil man sich ständig um das Automobil sorgt.“ Aber das Prüfsiegel bei der Hauptuntersuchung durch die GTÜ, das brauchen sie schon.

Fähigkeiten, finanzielle Mittel und Zeitbudget

Wer Oldtimer mag, Zeit sowie Geld zur Verfügung hat, könnte auf die Idee kommen, sich selbst an eine Restaurierung zu wagen. Ein passendes Objekt ist meist rasch gefunden. Doch wie steht es um Platz, Ausrüstung, Hebebühne, Schweißgerät – und um die eigenen Fähigkeiten? Reicht das Budget, wenn Arbeiten außer Haus gegeben werden müssen? Begeisterung und Realitätssinn sollten sich die Waage halten. Thomas nennt beispielhaft eine Kernfrage: „Habe ich genügend Zeit und Energie, um ein Projekt zu beginnen, das meist viele Jahre dauert? Wir drei bündeln Know-how und Arbeitskraft und fahren nach spätestens einem Jahr mit dem Oldie.“

 

Manchmal kursiert in der Szene der Tipp, ein Auto müsse bis zur letzten Schraube auseinandergenommen werden. Dieses Trio geht anders vor: Zerlegt wird nur, woran gerade gearbeitet wird. Ein Automobil in tausenden Teilen ist kaum überschaubar und benötigt zudem viel Platz. Auch verliert bei so einem bedauernswerten Anblick mancher Hobby-Schrauber Mut und Energie. Nicht selten taucht dann das Objekt einer verflossenen Begierde in Kleinanzeigen auf mit dem Text „Wegen Zeitmangels abzugeben: …“ Thomas: „Die psychologische Seite ist wichtig. Ein Oldie ohne Scheinwerfer und Stoßstangen sieht traurig aus, man mag gar nicht mehr hinschauen.“

Entspannt schrauben mit Freunden

Claus, Stefan und Thomas freuen sich jede Woche auf die abendliche Schrauberrunde. Denn bei aller Arbeit ist es für sie vor allem Freizeit mit Freunden. „Diese kreative Tätigkeit bringt uns Ruhe und Entspannung. Zum großen Glück können wir dieses Hobby gemeinsam ausüben“, sagen sie unisono. Jetzt aber dreimal „Plopp“, das Feierabendbier ruft.

TAGS:  GTü, BLOG, OLDTIMER, RESTAURIERUNG, MERCEDES

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