Die heimliche Macht der Playlists
Auf der Suche nach dem richtigen Song für die richtige Kurve.
Zu den vielen Alltags-Wissenschaften, für die es keine Hochschule gibt, wohl aber Studien, gehört eindeutig die Fachrichtung playlists. In unserem Fall eine hochspezialisierte Version: die Musik zum Autofahren. Sie schmunzeln? Oder lachen gar? Nun, dann fahren sie vermutlich hauptsächlich allein und können ihr Kraftfahrzeug ohne weiteres und ohne größere Rücksichtnahme auf Melodie, Textsicherheit, Stimmbruch oder Heiserkeit zu einer fahrbaren Karaoke-Show machen. Übrigens: Mitsingen oder mitsummen kann sicherheitsrelevant sein, trägt diese Stimulation doch bei langen Fahrten oder nachts durchaus zur Aufmerksamkeit bei.
Navigieren durch Musik
Wer häufiger zu zweit fährt, der guckt auf das Thema Playlists schon anders. Das Vier-Ohren-Prinzip ist in den meisten Fällen der Unterhaltung förderlich. Denn über weniges lässt sich so trefflich streiten wie über den Musikgeschmack. Wer alles richtig machen will, der fragt vorher die künstliche Intelligenz, die ein ganzes Repertoire an fahrtauglichen Songs vorschlägt. Auf Take me Home, Country Roads wären wir ja noch selbst gekommen. Zu Highway to hell passt sich der Rhythmus des Feierabendverkehrs an, und Livin' on a prayer bezeichnet doch eindeutig die Situation urlaubender Mütter und Väter. Solche Lieder sind unser inneres Navigationssystem.
Zwischenruf vom Beifahrersitz
Wenn Siri ins Spiel kommt, weil die Betätigung des Touchscreens in voller Fahrt auch bei nervenzerfetzenden Lieder aus dem Zufallsgenerator nicht möglich ist, wird die Fahrgastzelle zu einer letzten Bastion der Demokratie. Galt früher die Faustregel, das wer fuhr auch die Musik bestimmt, hat jetzt auch der Beifahrersitz per einfachem Zuruf eine gleichberechtigte Stimme. Plötzlich ist es ein Kampf der persönlichen Hitparaden, eingeleitet durch den harmlosen Satz: „Mach doch mal etwas Schönes an.“ Einig sind sich alle auch meist, wenn es der Gute-Laune-Radiosender übertreibt mit seinen Vibes. Dann folgt der Gedankenblitz: „Ich hab da eine Playlist...“ Das klingt nach Hilfsbereitschaft, hat aber in etwa die Wucht eines angekündigten Regierungswechsels.
Die Magie einer Playlist
Wenn, nach gut vier Stunden Fahrt und Zuhören, aber plötzlich ein Song läuft, bei dem alle gleichzeitig mitsingen, passiert etwas Seltenes und Wunderschönes: Der eigene Geschmack spielt ebenso wenig eine Rolle wie mögliche Generationenunterschied. Die playlist rockt das Auto, während es rollt. Unbedingt abspeichern, sofort!
P.S. Der beliebteste Auto-Playlist-Song soll der Folk-Pop-Klassiker „Riptide" von Vance Joy sein. Haben Sie den auch drauf?