Michael Petersen
Freier Autor
19. Oktober 2026

Alles wie immer – mit dem Käfer durch den Winter

Oldtimerfreunde diskutieren kontrovers den Wintereinsatz ihrer Klassiker. Viele fürchten Salz und Schnee – Bedingungen, die vor Jahrzehnten Neuwagen schon nach wenigen Jahren dahinrafften. Andere wollen nicht monatelang auf ihren Klassiker verzichten. Zu dieser Gruppe zählt Stephan Meyer aus Schwäbisch Hall. Das beste Winterauto für ihn? „Der VW Käfer, es gibt nichts Besseres!“ Nur bei dessen Heizung müsse man einige Abstriche machen, sagt der Chef des Restaurierungsbetriebs Meyer-Oldtimer. Die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH hat neugierig nachgefragt – und gibt seine Position hier wieder.

Ein VW 1303 aus dem Jahr 1973 als treuer Begleiter

Stephan Meyer kümmert sich beruflich um viele unterschiedliche Oldtimer. Privat schwört er auf luftgekühlte Volkswagen wie den Käfer, den Bulli T2 oder den Karmann Ghia. „Ich bin mit dem Käfer aufgewachsen, hatte mein ganzes Autoleben lang Käfer, und so soll es bleiben“, sagt der Mitfünfziger. Seit einiger Zeit bringt ihn ein VW 1303 zuverlässig ans Ziel, Sondermodell „City“, Baujahr 1973. Speziell im Winter, doch ebenfalls im Sommer. Da befördert der Käfer gern die beiden Familienhunde. Fürs komfortable Fahren sorgen Halbautomatik, heizbare Heckscheibe, modernere Vorderachse und die große Frontscheibe. Es ist kein Showcar, sondern ein Alltagsbegleiter mit 44 PS und durchaus in der 5.000-Euro-Liga zu haben. Von Sitzheizung und Klimaautomatik will Meyer nichts wissen.

Etwas mehr Pflege als beim Neuwagen

Gleichgesinnten empfiehlt der Experte, im Winter dem Oldtimer etwas mehr Pflege zukommen zu lassen als einem Neuwagen. Dazu gehört ein wöchentliches Abdampfen des Unterbodens, um Salzreste zu entfernen. Wo diese sich ablagern, kann Rost entstehen, der die Karosserie angreift. Noch mehr Schutz bringt eine Hohlraumversiegelung.

Nicht jeder Klassiker taugt für den Winter

So sehr Stephan Meyer seinem Käfer bei Eis und Schnee treu bleibt, er macht Einschränkungen: „Zugegeben, ein geschlecktes Fahrzeug im Bestzustand muss man nicht jedem Wetter aussetzen. Das mache ich auch nicht.“ Das andere Extrem seien überaus gepflegte Sunshine-Klassiker, die nicht nur keinen Schnee, sondern auch keinen Regen kennen. Die werden bei einschlägigen Sommerveranstaltungen und dann im Schritttempo durch die Stadt gefahren „bis der Kühler nach Luft ruft“. Was er persönlich gar nicht mag sind Garagenwagen, die fast immer hinter verschlossenen Türen parken. „Standschäden sind vorprogrammiert“, weiß Meyer. „Autos, die regelmäßig fahren, muss ich am wenigsten reparieren.“

Bei Rost ist guter Rat nicht unbedingt teuer

Natürlich sind die Winter milder geworden. Das kommt den Oldtimern zugute. Einen Schutz vor jeglichen Wetterangriffen bietet der Klimawandel nicht. Nach vier Jahren Wintereinsatz hatte Meyers 1303 einen Rostschaden. „Da habe ich ein Blech eingesetzt, so eine Reparaturschweißung hält für viele Jahre.“ Der Lack des VW ist ausgebleicht, manche Delle ist zu sehen, auch der eine oder andere Rostfleck. „Das macht mir nichts aus, solche Autos sind extrem entspannend, weil man nicht dauernd aufpassen muss“, argumentiert Meyer. Komplimente bekommt er für seinen Käfer selten. Häufiger sind Kommentare wie „den sollten Sie mal herrichten“. Da lächelt der Experte milde.

Mollig warm wird es nicht in jedem Käfer

Wenn ein Käfer kräftig heizt, dann bringt das vor allen die Füße ins Schwitzen, weil die heiße Luft von unten in den Innenraum strömt. „Stimmt schon, bei der Heizung müssen Käferfahrer Abstriche machen“, sagt Meyer. „Aber so schlecht wie mitunter erzählt ist sie nicht.“ Das gelte vor allem dann, wenn die Heizbirnen links und rechts des Boxermotors neuwertig und original sind. „Viele günstige Nachbauten taugen nichts“, weiß Meyer aus Erfahrung.

Fazit

Stephan Meyer hat noch nie ein modernes Auto besessen und möchte auch keines. Er zieht die klare Grenze zwischen Alt- und Neuzeit: „Autos mit einem Baujahr nach 1980 sind für mich persönlich keine Oldtimer.“ Sein Tipp für alle, die gern auch im Winter ihren Oldtimer fahren würden: „Vom Gefühl leiten lassen und nicht zu viel nachdenken.“

Stephan Meyer

Wie kann es anders sein: Die GTÜ und Stephan Meyer haben sich über Oldtimer kennengelernt. Er kümmert sich um Technik und Optik der firmeneigenen Klassiker. Zum Beispiel um den rotweißen VW T2b Deluxe oder den weißroten Porsche 928 – beide Baujahr 1977, das Gründungsjahr der Prüforganisation. Damit sie Werbung machen können fürs umfangreiche Portfolio der GTÜ. Dazu gehören auch die Dienstleistungen von GTÜ-Classic und der Classic-Partner. Mehr Infos: https://www.gtue.de/de/gtue/gtue-classic

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