Elmar Brümmer
Freier Autor
24. September 2026

80 Jahre Unimog – Biografie eines Alleskönners

Eine Arbeitsmaschine begeistert Kinder, Frauen und Männer gleichermaßen.

Kann es sein, dass wir uns hier noch 80 Jahre später über etwas Gedanken machen, das mit läppischen 25 PS begonnen hat!? Denn mehr leistet das Fahrzeug nicht, das nach dem Zweiten Weltkrieg als universelle Arbeitsmaschine für die Landwirtschaft erdacht wird: Wobei Leistungsvermögen in diesem Fall auf die Kraft des Motors bezogen ist. Denn der Unimog, wie er da am 9. Oktober 1946 schon recht bullig und vor allem fahrfertig auf den Rädern steht, ist sogar ein Hochleistungssportler. Seine liebste Disziplin: Vielseitigkeit.

Was der alles kann!

Hinter dem Markennamen Unimog steckt die Bezeichnung „Universal-Motor-Gerät“. Vier gleich große Räder, Allradantrieb, Ladefläche, hohe Zugkraft und die Möglichkeit, unterschiedlichste Geräte anzubauen: Die Grundidee ist so überzeugend, dass sie acht Jahrzehnte später noch immer zu erkennen ist. Wenn es darum geht, Kinder für das Automobil zu begeistern, muss man ihnen keinen Porsche hinstellen. Ein Unimog reicht auch. Was der alles kann! Unsere Bildergalerie zeigt nur einen kleinen Ausschnitt von all den Extras. Der Unimog arbeitet auf Äckern und in Wäldern, bei Feuerwehren und Rettungsdiensten, im Bergbau und auf Baustellen. Er räumt Schnee, zieht Flugzeuge und Rettungsboote, dient als Krankenwagen, Kehrmaschine und Expeditionsmobil. Er fährt nicht nur auf Straßen und durch Gelände, sondern auch auf Eisenbahnschienen.

Die Erfolgsgeschichte beginnt in den Alpen

Dabei deutet zunächst wenig auf eine automobile Weltkarriere hin. Die ersten Prototypen entstehen bei Erhard & Söhne in Schwäbisch Gmünd, 1949 beginnt Boehringer in Göppingen mit der Serienfertigung. Ganze 600 Exemplare der ersten Baureihe werden gebaut. Ein früher Großauftrag kommt aus der Schweiz: Für ein Staudammprojekt in den Walliser Alpen bestellt die Armee 250 Fahrzeuge, die dort den Spitznamen „Dieseli“ erhalten. 1950 übernimmt Daimler-Benz das Projekt, ab Juni 1951 wird im Werk Gaggenau produziert, im neuen Jahrtausend dann in Wörth. Bestseller der Familie ist der Unimog S, Baureihe 404. Er entsteht ab 1955 als schneller, extrem geländegängiger Lastwagen mit 1,5 Tonnen Nutzlast. Bis 1980 entstehen rund 65.000 Exemplare – mehr als von jeder anderen Unimog-Baureihe.

Kein Berg zu hoch, kein Gelände zu tief

Manchmal fährt ein Unimog überhaupt nicht – sondern fliegt. Auf der knapp 2.000 Meter hoch gelegenen Bettmeralp im Schweizer Wallis wird ein Fahrzeug für die Müllabfuhr benötigt. Weil der Ort weitgehend autofrei und der Straßenweg beschwerlich ist, fährt das Fahrzeug zweimal wöchentlich in die Talstation der Seilbahn. Dort wird es mit sechs Stahlseilen unter einer Gondel befestigt und schwebt über Wald und Häuser hinauf zur Alp. Kaum weniger spektakulär ist eine andere Reise am Boden. Im Winter 1964/65 schaffen drei Unimog S die erste West-Ost-Durchquerung der Sahara: vom Atlantik bis zum Roten Meer, in zwei Monaten. Expeditionen werden überhaupt zu einem eigenen Kapitel der Unimog-Geschichte. Das Fahrzeug dient Abenteurern nicht nur als Transportmittel, sondern zugleich als Fahr- und Wohnstätte für Reisen in Regionen, in die gewöhnliche Wohnmobile besser nicht abbiegen.

Der Unimog fährt sogar diagonal

Technisch wächst der Unimog mit seinen Aufgaben. Aus den 25 PS der Anfangsjahre werden 1969 erstmals 100 PS, 1976 erreicht ein Unimog 150 PS. Jahrzehnte später kommt der U 5023 auf 231 PS und 900 Newtonmeter. Sein Getriebe bietet acht Vorwärts- und sechs Rückwärtsgänge; zusätzlich kann eine Geländegruppe mit acht Gangstufen für besonders langsame Fahrt zugeschaltet werden. Auch beim Lenken wird es ungewöhnlich. Für unterschiedliche moderne Geräteträger gibt es seit 2015 eine Allradlenkung mit vier verschiedenen Lenkungsarten. Neben der normalen Vorderachslenkung können alle vier Räder mitlenken. Beim sogenannten Hundegang stehen Vorder- und Hinterräder in dieselbe Richtung, sodass der Unimog diagonal fahren kann.

Ein Cowboy und Frauenversteher

Der Unimog gilt als Männergerät, doch ausgerechnet dieser kantige Kerl hat eine kleine, bemerkenswert leidenschaftliche weibliche Fangemeinde. Bettina Ziegler nennt ihre Unimog-Liebe sogar einen „Virus“: Wer einmal angefangen habe, ihn zu fahren, für den gebe es „kein Halten mehr“. Irgendwas muss dieses Nutzfahrzeug also haben. Der ehemalige Daimler-Chef Dieter Zetsche nannte ihn den „John Wayne unter den Nutzfahrzeugen“, frei nach dem Motto: „Ich brauch’ keine Straße, ich brauch’ nur einen Auftrag.“

Autor

Das könnte Sie auch noch interessieren