Elmar Brümmer
Freier Autor
24. Juni 2026

75 Jahre Vollgas für den Mythos

Porsche und der Motorsport, oder: die Kunst, immer ans Limit zu gehen.

Auf die Plätze, fertig... und dann stürmen die Rennfahrer bei den 24 Stunden von Le Mans 1951 auch schon los, laufen zu Fuß über die auf der gegenüberliegenden Seite der Startgeraden auf ihre schräg geparkten Autos zu. Die Porsche-Piloten haben einen kleinen Vorteil, wenn sie in ihre Cockpits gesprungen sind, denn die Zündung bei ihren Sportwagen ist links eingebaut. So beginnt beim wohl anspruchsvollsten Rundstreckenrennen der Welt eine herausragende Markengeschichte. Bei der Grande Dame des Motorsports wird Porsche selbst zum Mythos, und feiert in diesem Jahr ein Dreivierteljahrhundert eigener Renngeschichte(n).

Ganz bescheiden auf Touren kommen

Ganz zu Beginn bringen der französische Autoimporteur Auguste Veuillet und sein Partner Edmound Mouche einen Porsche 356 SL mit vergrößerten Tanks auf einen achtbaren 20. Gesamtrang ins Ziel und erringen auf Anhieb mit bescheidenen 46 PS den Klassensieg. Mittlerweile hat es die Marke auf 19 Triumphe in Me Mans gebracht, mehr als jede andere Marke. Schwäbisches Understatement zeigt sich 1983, als sich unter den ersten Zehn neun Porsche befinden. Auf das Siegerplakat wird nur die nackte Reihenfolge gedruckt – und der Zusatz: Nobody is perfect.

Legenden im Schnelldurchlauf

Die Pioniere Veuillet/Mouche sind fast vergessen, aber die Namen der berühmten Rennfahrer, die für Porsche zusammen an die 40.000 Siege eingefahren haben, sind das Who is Who des Motorsports: Hans Herrmann, Jacky Ickx, Derek Bell, Jochen Mass, Hans-Joachim Stuck, Stefan Bellof, Walter Röhrl – auch die Hollywood-Legenden Steve McQueen und Patrick Dempsey zählen dazu. Gefahren sind sie auf allen Terrains - bei der Panamericana ebenso wie der Rallye Monte Carlo, in der Formel 1 und bei Paris – Dakar. Erfolge ergeben sich wie im Schnelldurchlauf.

Träume, von Geschwindigkeit beflügelt

Klein, aber fein. Gut möglich, dass der Sinnspruch in Stuttgart-Zuffenhausen entstanden ist. Porsche hat sich über Jahrzehnte darauf konzentriert, was das Unternehmen am besten konnte: Sportwagen bauen. Aber auch: Sport wagen. Denn das war unter dem legendären Rennleiter Huschke von Hanstein zugleich die beste Werbung für die Straßenfahrzeuge. So ist das entstanden, was die Marketingabteilung des heutigen Konzerns „Raceborn" nennt – die Porsche-Identität. Das gilt auch dann, wenn der Technologietransfer von der Piste auf die Straße nicht mehr so direkt stattfindet wie früher. Aber Träume, die mit Geschwindigkeit zu tun haben, werden auch heute noch unvermindert von der in Weissach ansässigen Rennabteilung beflügelt.

Der ewige Wunsch, ans Limit zu gehen

75 Jahre Porsche Motorsport erzählen nicht nur die Geschichte einer erfolgreichen Rennmarke. Sie erzählen die Geschichte einer selten geworden Konsequenz. Eines Purismus, der aus der Boxengasse stammt. Daher stammt auch der eigene Anspruch: Wer besser werden will, muss sich mit anderen messen – und ist damit gezwungen, immer ans Limit zu gehen. Zu besichtigen sind die schönsten Zeugen einer einzigartigen Geschichte gleich in zwei aktuellen Sonderausstellungen: Das Porsche-Museum lädt vom 1. Juli 2026 bis zum 17. Januar 2027 zu einer „dynamischen Startaufstellung". Im Hamburger Automuseum Prototyp werden vom 10. Juli bis 11. September 2026 zehn Vertreter der Porsche-Sporthistorie präsentiert.

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