100 Jahre Autobahn: Die Hundertjährige, die niemals schläft
Pop-Denkmal und Dauerbaustelle, Traumstraße für Individualmobilität und Verkehrsmaschine: Das alles ist die deutsche Autobahn. An Spitzentagen werden auf ihr fast eine Milliarde Kilometer zurückgelegt. In diesem Herbst feiert die Autobahn Geburtstag: Die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH gratuliert zum Hundertsten!
Was die Autobahn zur Traumstraße macht? Sie steht für das Versprechen der schnellen, sicheren, motorisierten Individualmobilität auch über lange Distanzen – kurz, sie steht für Freiheit. Und das tut sie bereits seit 100 Jahren. Denn der Verein zum Bau einer ersten deutschen Autobahn wurde November 1926 in Frankfurt am Main gegründet. HaFraBa hieß er, die Abkürzung stand für Hamburg-Frankfurt-Basel. Auf dieser Strecke verlaufen heute A 5 und A 7. Das erste Teilstück des heutigen Netzes wurde jedoch 1932 zwischen Köln und Bonn eröffnet, die heutige A 555. Die Autobahn ist also ein Kind der demokratischen Weimarer Republik. Später machte das NS-Regime sich die gute Idee zu eigen.
Stau und Bau
Mit hundert Jahren ist die deutsche Autobahn quicklebendig. Und sicher obendrein: Trotz regelmäßig vorkommender Unfälle gilt das Netz der Bundesautobahnen angesichts der hohen Fahrleistung vor allem im Vergleich zu Landstraßen als sehr sichere Straßenform. Manchmal ist auf der Autobahn sogar mehr los, als sich so mancher Autofahrer wünschen würde. Zum Beispiel dann, wenn man vom Stau ausgebremst wird. Oder wenn eifrig gebaut wird. Dann rollt man langsam auf einer verengten Spur durch die Baustelle, während wenige Meter nebenan eine gewaltige Maschine millimetergenau frischen Asphalt ausbringt. Straßenfertiger heißt der Gigant. Hinter ihm rollen Walzen und verdichten die heiße Mischung aus Bitumen und Splitt.
Wenn die Autobahn sich neu erfindet
Während tausende Autos, Lastwagen und Motorräder vorbeifahren, entsteht so im laufenden Betrieb eine neue Fahrbahn. Die Szene gehört zum Alltag in einem der leistungsfähigsten Fernstraßennetze der Welt. Denn die Autobahnen der Bundesrepublik Deutschland müssen regelmäßig erneuert werden. Und das ist eine gigantische Aufgabe. Denn bei der „grundhaften Erneuerung“ wird die Straße nicht lediglich Schicht für Schicht neu aufgebaut, sondern auch technisch auf den aktuellen Stand gebracht. Das reicht bis zur Anpassung der Querneigung, um die Entwässerung bei Regen zu optimieren.
Dem Auto eine Bahn
Die Grundidee der Autobahn-Vordenker vor 100 Jahren: ein Netz von Fernschnellstraßen mit mindestens zwei Fahrspuren je Fahrtrichtung und ohne niveaugleiche Kreuzungen, das ausschließlich von Motorfahrzeugen genutzt werden darf. In den 1920er-Jahren war das eine revolutionäre Idee. Robert Otzen, HaFraBa-Vorsitzender und Professor für Bauingenieurwesen, soll den Begriff „Autobahn“ ersonnen haben. Als Vorbild habe ihm das Wort „Eisenbahn“ gedient. Das sollte wohl deutlich machen, welches gewaltige Transportpotenzial er der Autobahn zutraute. Wer den heutigen Verkehr sieht, muss zugeben: Der Professor und zeitweilige Rektor der Technischen Hochschule Hannover hatte 1926 ein gutes Gespür für die Zukunft – in einer Zeit, in welcher sich der Kraftwagen gerade erst als Verkehrsmittel auf ganzer Breite etablierte. Oder, wie es bei der Eröffnung des ersten Teilstücks von Köln nach Bonn 1932 hieß: „So werden die Straßen der Zukunft aussehen.“ Die Worte stammten vom damaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer.
Wir fahr'n, fahr'n, fahr'n auf der Autobahn
Die Autobahn ist weit mehr als ein Bauwerk aus Asphalt (rund zwei Drittel des deutschen Netzes haben eine solche Fahrbahndecke) und Beton. Sie ist auch ein Kulturphänomen: Generationen verbinden mit ihr die Erinnerung an den ersten eigenen Wagen, an Urlaubsfahrten mit Stopps auf Parkplätzen und an Raststätten. Die Autobahn ist Schauplatz zahlloser Filme und Reportagen. Und sie kann Gegenstand leidenschaftlicher Debatten werden – über Tempolimit und Baustellen, über Staus und sicheres Fahren. Die Autobahn gehört zum Alltag, und gerade deshalb hat fast jeder eine Meinung zu ihr. Und die Elektro-Musikband „Kraftwerk“ widmete ihr bereits in den 1970er-Jahren eines ihrer bekanntesten Stücke.
Klar geregelt
Heute kümmert sich die Autobahn GmbH der Bundesrepublik Deutschland um das 13.200 Kilometer lange Netz. Die einzelnen Strecken sind durchnummeriert, von der A 1 bis zur A 995. Dabei tragen die wichtigsten Fernautobahnen nur eine Ziffer, das Gros hat zweistellige Zahlen, und eher regional bedeutende Strecken erhalten einen dreistelligen Code. Insgesamt gibt es 120 deutsche Autobahnen, zu denen auch 550 Tunnel und 28.000 Brücken gehören – und beinahe 500.000 Staus im Jahr. Die Autobahn ist unverzichtbar für die Mobilität im Land. Das zeigt sich vor allem dann, wenn zentrale Punkte über längere Zeit gesperrt werden müssen, wie zum Beispiel schadhafte Brücken. Die Auswirkungen betreffen nicht nur den Verkehr in der Region, sondern sie reichen über die Bundesrepublik hinaus: Deutschland liegt schließlich im Herzen Europas und ist eines der wichtigen Transitländer. Das macht die Autobahn zu einer zentralen Lebensader der Wirtschaft des Kontinents.