Michael Petersen
Freier Autor
31. Juli 2026

Zwischen Patina und Perfektion

Worauf es beim Oldtimerlack ankommt

Der Lack ist weit mehr als nur die Farbe eines Oldtimers. Er ist die sichtbare Haut des Fahrzeugs, erzählt seine Geschichte und prägt den ersten Eindruck stärker als jedes andere Bauteil. Gleichzeitig gehört die Lackierung zu den besonders anspruchsvollen Themen bei der Restaurierung klassischer Automobile. Lackexperte Jürgen Book erklärt den Weg zwischen schönem Aussehen und einer erhaltenswerten Originalsubstanz.

Die GTÜ Classic-Partner stellen immer wieder fest: nur wenige Oldtimer besitzen noch ihren originalen Erstlack. Das ist kaum verwunderlich. Schließlich werden Automobile nicht als Sammlerstücke gebaut und verkauft, sondern zum täglichen Gebrauch. Im Laufe von Jahrzehnten werden sie repariert, nachlackiert, umgebaut oder komplett restauriert. Nur ein kleiner Teil aller Fahrzeuge wird überhaupt erhalten. „Wer heute einen Oldtimer besitzt, hält meist ein Fahrzeug in den Händen, dessen Lack bereits eine bewegte Geschichte hinter sich hat“, betont Jürgen Book, ehemaliger Leiter Classic Cars bei Glasurit, „gerade deshalb lohnt sich ein besonders sorgfältiger Umgang mit der vorhandenen Substanz.“

Patina oder Hochglanz?

Mittlerweile schätzen viele Liebhaber bewusst die sogenannte Patina – also sichtbare Gebrauchs- und Alterungsspuren, die den Charakter und die Authentizität eines Fahrzeugs unterstreichen. Andere Besitzer wünschen sich dagegen einen makellosen Lack, der den Klassiker in neuem Glanz erstrahlen lässt. Letztlich entscheidet der Eigentümer, welchen Weg er gehen möchte. „Wichtig ist nur, dass jede Maßnahme fachgerecht erfolgt und die historische Substanz möglichst respektiert und erhalten wird,“ sagt der Lackexperte Book.

Originalfarbtöne lassen sich heute exakt nachbilden

Soll ein Oldtimer neu lackiert werden, stellt sich schnell die Frage nach dem richtigen Farbton. Moderne Lacktechnologie macht es möglich, historische Originallacke sehr präzise nachzubilden. Spezialisierte Anbieter verfügen über große Farbtondatenbanken. Bei Glasurit hütet man einen der weltweit größten solcher Datenbestände mit mehr als 250.000 Farbtönen. Darunter befinden sich zahlreiche historische Fahrzeugfarben, die mithilfe historischer Herstellerunterlagen sowie durch die Zusammenarbeit mit Automobilfirmen, Archiven, Museen und Markenclubs rekonstruiert wurden. Originale Lacke, die exakt so rezeptiert sind wie bei der Herstellung der Fahrzeuge, gibt es meistens nicht mehr. „So originalgetreu wie möglich ist immer erstrebenswert“, sagt Book.

Genau hinschauen lohnt sich

Der Zustand einer Lackierung verrät oft mehr über das Fahrzeug, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Deshalb sollte jeder Oldtimer vor einer Restaurierung sorgfältig untersucht werden. Typische Hinweise auf frühere Reparaturen oder Schäden sind: unterschiedliche Farbtöne einzelner Karosserieteile, Schleifriefen oder Lacknasen, Staubeinschlüsse, Krater oder Blasenbildung, feine Lackrisse sowie ungleichmäßige Oberflächenstrukturen. Der Lack kann auch Schäden verbergen: Rost, Spuren früherer Unfälle oder unsachgemäße Reparaturen bleiben dann oft lange unsichtbar. Ein erfahrener Fahrzeuglackierer oder GTÜ-Sachverständiger erkennt viele dieser Hinweise bereits bei einer gründlichen Sichtprüfung.

Sonne, Vogelkot und Insekten hinterlassen Spuren

Nicht nur Alter und Reparaturen setzen einem Lack zu. Intensive UV-Strahlung kann historische Lackierungen spröde machen und feine Risse verursachen. Hinzu kommen Rückstände von Insekten oder Vogelkot, deren Säuren die Oberfläche dauerhaft angreifen können. Solche Schäden sind mit bloßem Auge nicht immer vollständig zu erkennen. Aber Kontrollpulver und andere Prüfverfahren machen selbst kleinste Oberflächenschäden sichtbar und helfen dabei, den tatsächlichen Zustand der Lackierung richtig einzuschätzen.

Fazit:

Ob Patina erhalten oder komplett neu lackieren – vor jeder größeren Maßnahme sollte der tatsächliche Zustand der Lackierung eines Oldtimers sorgfältig bewertet werden. Die fachkundige Begutachtung kann vor teuren Überraschungen schützen und dabei helfen, den historischen Wert des Fahrzeugs zu erhalten. Denn eines gilt für alle Klassiker: „Der Lack ist weit mehr als eine Schutzschicht. Er bewahrt die Geschichte eines Automobils – und verdient deshalb besondere Aufmerksamkeit“, sagt Jürgen Book.

TAGS:  OLDTIMERLACK, PLATINA, CLASSIC, ERSTLACK, KLASSIKER, OLTIMER

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