Wenn Schilder lächeln, aber einem wenig sagen
GTÜ-Blog on Tour: die Zeichensprache der Japaner
Land des Lächelns, schreibt der Reiseführer. Stimmt auch, hier mitten in Tokio. Fast alle lächeln uns autofahrende Langnasen an. Mitleidig, vermutlich. Die japanischen Schildermacher meinen es wirklich gut mit einem. Geben den Verkehrsschildern eine hübsche Note, und die meisten lassen sich gut wiedererkennen. Trotzdem stecken wir mal wieder fest, müssen uns aus der Sackgasse rückwärts rausdirigieren lassen. Denn wie im richtigen Leben kommt es auf das Kleingedruckte an – das, was unter den Schildern steht. Und das ist eben schwer zu entziffern für unsereins.
Solche Abenteuerfahrten beginnen immer mit einer Mischung aus Abenteuerlust und naiver Selbstüberschätzung: „Ach, so schwer kann das ja nicht sein, sich im Verkehr zurechtzufinden.“ Ein Satz, den man ungefähr so lange für wahr hält, bis man das erste Mal an einer Kreuzung steht, die aussieht wie ein riesiges Sudoku – und alle anderen scheinen die Lösung zu kennen. Nur man selbst steht da, mit großen Augen, schwitzigen Händen am Lenkrad und der leisen Hoffnung, dass einen irgendjemand rettet.
Im eigenen Land ist Verkehr ja eine Art Muttersprache. Man versteht Schilder intuitiv, weiß, wann man sich vordrängeln darf und ahnt, was wie sich die anderen Verkehrsteilnehmer verhalten werden. Aber wie ist das in Japan? Höflich bleiben und stehen bleiben? Gut, dass die Stadtplaner in der am dichten besiedelten Metropolregion der Welt eine Vorliebe für Pfeile und Linien haben. Einfach folgen oder halten.
Aber dann kommen die Schilder. Wunderschön gestaltet, keine Frage. Klar, reduziert, oft sogar irgendwie niedlich. Aber was wollen sie mir sagen? Ist das ein Hinweis? Ein Verbot? Eine Empfehlung? Oder einfach ein künstlerischer Kommentar zur Vergänglichkeit des Autofahrerseins? Trotz der eigenen Orientierungslosigkeit passiert nichts, jedenfalls nichts Dramatisches. Nur verpasste Chancen oder eben Fahrten im Rückwärtsgang. Aber keiner hupt aggressiv. Niemand gestikuliert wild. Stattdessen integrieren sie einen mit einer fast stoischen Gelassenheit in den Fluss. „Lost in Translation" auf Rädern.