Es geht immer ums Profil
Zweimal im Jahr eine Reifen-Beziehungskrise, muss das sein?
Das Jahr 2026 beschleunigt noch mal – nur noch 60 Tage bis Weihnachten. Termine, Termine, Termine prägen das letzte Quartal. Wer schon jetzt die Christbaumkugeln aus dem Keller holt, stolpert dabei vielleicht auch über einen Stapel Winterreifen. Die sind eindeutig früher dran als die Bescherung, und der damit verbundene Termin in der Werkstatt oder auf dem Garagenhof kommt auch nicht wirklich überraschend. Trotzdem löst die Erinnerung jedes Jahr aufs Neue eine Beziehungskrise aus: Ihnen treu bleiben oder nicht? Das kann aber auch damit zusammenhängen, dass im Herbst nicht bloß die Gummis wechseln, sondern auch das Wetter.
Auf das Symbol kommt es an
Dabei ist die gesetzliche Regelung klar: Es gibt in Deutschland zwar keinen festen Kalendermonat für den Reifenwechsel (die Faustregel lautet „von O bis O“ – Oktober bis Ostern). Gefahren werden darf bei winterlichen Straßenverhältnissen aber nur mit entsprechenden Reifen. Winterreifen sind die sichere Nummer, die immer beliebter werdenden Allwetterreifen gelten rechtlich nur dann als zugelassen, wenn sie das Alpine-Symbol (Piktogramm mit Berg und Schneeflocke) tragen. Was früher ein Kompromiss war, wird immer beliebter. Zur aktuellen Kollektion der Ganzjahresreifen gibt es den passenden Test der GTÜ
Welcher Reifen passt zu wem?
Die gesetzliche Mindestprofiltiefe liegt für alle Reifenarten bei 1,6 Millimetern, die Experten empfehlen jedoch vier Millimeter für den Winter. Wer welche Pneu-Variante wählt, ist immer auch eine Frage des persönlichen Fahrprofils. Wir haben uns mal ein paar Prototypen angesehen: Welcher Reifen passt zu wem?
Die Kurzstrecken-Strategin
Die Stadtfahrerin kennt Schnee hauptsächlich aus der Wetter-App, ihr härtester Wintereinsatz besteht meistens darin, morgens drei Millimeter Reif vom Auto zu kratzen. Sie fährt kurze Strecken und kann bei zehn Zentimetern Neuschnee notfalls die Bahn nehmen: eine ziemlich klare Kandidatin für Ganzjahresreifen.
Der Kilometerfresser
Der Autobahn-Vielfahrer spult 30.000 Kilometer im Jahr ab, auch bei 35 Grad und mit Tempo 180. Wer im Winter genauso zuverlässig unterwegs sein muss, fährt mit zwei spezialisierten Reifensätzen meist besser. Bei diesen Belastungen geht es um Präzision, Bremsleistung, Reserven bei extremen Temperaturen und Bedingungen, auch der Verschleiß kann eine Rolle spielen.
Die Familien-Angelegenheit
Die aktive Familie will genau dann in den Skiurlaub fahren, wenn andere lieber zu Hause bleiben: Winterreifen bleiben ihre Versicherung. Voll beladenes Auto, Dachbox, Alpenpass – der SUV braucht die maximale Schneetauglichkeit.
Der Schönwetterfahrer
Der Wenigfahrer bewegt seinen Wagen 6000 Kilometer im Jahr und lässt ihn bei Eis einfach stehen: Warum zweimal jährlich vier Reifen durch die Gegend tragen? Er besitzt Winterreifen, deren größter Feind inzwischen nicht mehr der Schnee, sondern das Alter ist.
Krise bewältigt
Am Ende ist die Reifenwahl also weniger eine Glaubensfrage als eine Frage des Profils. Und zwar nicht nur dessen, was im Gummi steckt, sondern auch dessen, der hinter dem Lenkrad sitzt. Wer das berücksichtigt, kann sich zumindest eine Beziehungskrise im Jahr ersparen. Vielleicht sogar zwei.