Sicher fahren mit Extra-Last

  • Beladung verändert Bremsweg, Lenkverhalten und Fahrstabilität
  • Schwere Gegenstände gehören nach unten, nach vorn und sicher fixiert
  • Beim Anhänger sind Stützlast, Tempo, Reifendruck und Ladungssicherung entscheidend

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Stuttgart. Ferienreise, Umzug, Baumarkteinkauf oder die Fahrt zum Wertstoffhof: In solchen Alltagssituationen wird der Pkw deutlich schwerer beladen als sonst. Zieht der Wagen einen beladenen Anhänger, hat dies ebenfalls Auswirkungen auf das Fahrverhalten. Die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH rät, Extra-Lasten nicht zu unterschätzen. Denn mit zusätzlichem Gewicht fährt ein Auto nicht einfach „wie sonst, nur langsamer“. Bremsweg, Lenkverhalten, Kurvenstabilität, Reifenbelastung, Sicht, Beschleunigung und Rangierverhalten verändern sich deutlich. Das gilt für den Solo-Pkw mit vollem Kofferraum ebenso wie für ein Gespann.

Die wichtigste Regel: Zulässige Gewichte müssen eingehalten werden. In der Zulassungsbescheinigung Teil I, gern Fahrzeugschein genannt, finden sich unter anderem die zulässige Gesamtmasse, Achslasten sowie die gebremste und ungebremste Anhängelast. Besonders die Hinterachse wird schnell stark beansprucht – etwa durch einen voll beladenen Kofferraum, Passagiere auf der Rückbank, einen Heckträger oder zusätzlich die Stützlast eines Anhängers. Wer unschlüssig ist, sollte das Fahrzeug oder die Ladung wiegen. Öffentliche Waagen gibt es beispielsweise bei Wertstoffhöfen. Auch Baustoffhändler, Entsorger oder Kieswerke haben solche Anlagen.

Gewichtsverteilung: Sie entscheidet ebenfalls über die Sicherheit im Straßenverkehr. Im Auto schwere Gegenstände möglichst tief und möglichst weit vorn platzieren, also nahe an die Rücksitzlehne oder im hinteren Fußraum, sofern dort niemand sitzt. Gefährlich sind lose Gegenstände auf Rückbank, Hutablage oder oben auf dem Gepäckstapel: Sie können bei einer Vollbremsung oder einem Ausweichmanöver durch den Innenraum geschleudert werden. Paragraf 22 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) schreibt vor, dass die Ladung so zu sichern ist, dass sie selbst bei einer Vollbremsung oder einer plötzlichen Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen kann.

Praktisch bedeutet das: Lücken vermeiden und damit formschlüssig laden, Antirutschmatten einsetzen und geeignete Zurrgurte an belastbaren Zurrpunkten verwenden. Runde Gegenstände sind gegen Wegrollen zu sichern. Kleinteile gehören in geschlossene Boxen oder unter befestigte Netze. Offene Ladung auf einem Anhänger schützt eine Plane oder ein Netz vor Herauswehen – das ersetzt jedoch nicht die eigentliche, belastbare Ladungssicherung. Spanngurte nach einigen Kilometern kontrollieren und bei Bedarf nachziehen.

Hohes Gewicht belastet die Reifen zusätzlich. Vor Fahrtbeginn sollte daher der Reifendruck auf den vom Hersteller angegebenen Wert für die volle Beladung angepasst werden. Die Angaben stehen meist in der Betriebsanleitung, im Tankdeckel, an der B-Säule oder im Bordmenü. Auch Anhängerreifen verdienen Aufmerksamkeit: Druck, Profil, Risse und Alter sollten geprüft werden. Gerade wenig genutzte Anhänger stehen oft lange im Freien. Die Reifen können altern, obwohl die Profiltiefe noch ausreicht. Grundsätzlich empfiehlt die GTÜ mindestens vier Millimeter, um beispielsweise gut gegen Starkregen gewappnet zu sein.

Stützlast als zentrales Stabilitätskriterium. Sie beschreibt beim Fahren mit Anhänger die Kraft, mit der die Deichsel auf die Anhängekupplung drückt. Zu wenig Stützlast kann das Gespann instabil machen und Schlingern begünstigen. Zu viel Stützlast belastet diese Kupplung, die Hinterachse, Reifen und Fahrwerk des Zugfahrzeugs. Die Stützlast daher möglichst sinnvoll ausnutzen und niemals überschreiten. Maßgeblich ist der kleinste zulässige Wert von Zugfahrzeug, Anhängekupplung oder Anhänger.

Anhänger richtig beladen: Schweres Ladegut gehört über oder leicht vor die Achse. Zu weit hinten platziert, kann es die Stützlast verringern oder sogar negativ werden lassen. Dann steigt die Schlingeranfälligkeit stark an. Zu weit vorn platzierte Lasten erhöhen die Stützlast und können die Hinterachse des Autos überlasten. Ebenfalls kritisch sind hoch gestapelte Gegenstände, weil sie den Schwerpunkt anheben. Damit reagiert das Gespann empfindlicher auf Kurven, Seitenwind, Spurrillen und Ausweichmanöver.

Technikcheck vor der Abfahrt mit dem Anhänger: Eine vollständige Prüfung empfiehlt sich auf Basis folgender Fragen: Ist die Kupplung eingerastet, das Sicherungsseil korrekt befestigt, das Stützrad hochgekurbelt und gesichert, die Handbremse gelöst, Bordwände und Klappen verriegelt, das Kennzeichen sichtbar und die Beleuchtung voll funktionsfähig?

Fahrweise anpassen: Den zusätzlichen Kilos im oder hinter dem Auto muss man auch beim Fahren gerecht werden. Wer schwer beladen fährt, sollte mehr Abstand halten, früher bremsen und abrupte Lenkbewegungen vermeiden. Paragraf 3 StVO verlangt, die Geschwindigkeit unter anderem den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen. Bei langen Gefällen sollte frühzeitig zurückgeschaltet und die Motorbremse beziehungsweise Rekuperation genutzt werden. Denn dauerhaft leichtes Verzögern kann die Bremsen stark erhitzen. Kurven sind langsamer anzufahren, enge Autobahnabfahrten, Kreisverkehre und Engpässe etwa im Bereich von Baustellen verdienen besondere Aufmerksamkeit.

Tempo einhalten: Mit Anhänger gilt in Deutschland grundsätzlich innerorts 50 km/h, außerorts in der Regel 80 km/h. Wenn der Anhänger die technischen Voraussetzungen erfüllt, darf man mit bis zu 100 km/h unterwegs sein. Die Zulassungsbehörde erteilt die entsprechende Plakette.

Keine Panik beim Schlingern: Gerät ein Anhänger ins Schlingern, ist Ruhe zu bewahren entscheidend. Nicht hektisch gegenlenken oder beschleunigen. Stattdessen das Lenkrad ruhig halten, Gas wegnehmen und die Geschwindigkeit kontrolliert reduzieren. Schlingern ist ein Warnsignal für ein schlecht austariertes Gespann. Deshalb keinesfalls einfach weiterfahren, sondern auf einem Parkplatz Stützlast, Ladungsverteilung, Reifendruck, Ladungssicherung, Tempo und Windverhältnisse prüfen.

Rangieren verlangt Vorbereitung: Rückwärtsfahren mit Anhänger ist für ungeübte Fahrer eine Herausforderung. Kleine Anhänger knicken besonders schnell ein. Vor dem Rangieren sollte der Fahrer aussteigen, den Bereich prüfen, Spiegel einstellen und idealerweise einen Einweiser nutzen. Langsame Bewegungen, kleine Lenkkorrekturen und rechtzeitiges Neuansetzen vermeiden Schäden und gefährliche Situationen.

Der Merksatz der GTÜ für jede Fahrt mit Extra-Last: Schwerpunkt tief, Ladung fest, Stützlast richtig, Tempo raus, Abstand rein. So bleibt der Transport mit vollem Pkw oder Anhänger berechenbar – und die Sicherheit im Straßenverkehr gewinnt deutlich.

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Frank Reichert
Leiter Unternehmenskommunikation
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frank.reichert@gtue.de