Stuttgart. Für Laternenparker mit täglicher Autofahrt ist der abendliche Wetterbericht ein Pflichtprogramm. Denn sinken in der Nacht die Temperaturen auf Minusgrade, sind am nächsten Morgen vor dem Losfahren ein paar Minuten einzuplanen, etwa um die Scheiben freizumachen. Die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH beschreibt, wie sich Autofahrer ohne Garage das Leben erleichtern können.
Freie Fahrt erfordert freie Sicht: Vor dem Aufbruch müssen alle für die Sicht erforderlichen Scheiben eis- und schneefrei sein. Paragraf 23 Absatz 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) besagt, dass die Sicht nicht durch den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt sein darf. Je nach Eisdicke ist ausreichend Zeit für das mitunter mühevolle Freikratzen einzuplanen. Ein geeigneter Kratzer sollte immer an Bord und gut erreichbar sein. Sich mit einem Guckloch in der Frontscheibe zu begnügen ist zum einen nicht gestattet und zum zweiten sehr gefährlich: Wenn das Blickfeld des Fahrers deutlich eingeschränkt ist, kann er andere Verkehrsteilnehmer übersehen.
Stummer Helfer: Abdeckungen für die Windschutzscheibe sind für Laternenparker eine lohnende Anschaffung. Erhältlich sind sie beispielsweise im Autozubehörhandel und in Baumärkten. Einfache Ausführungen kosten nur wenige Euro. Sie bestehen meistens aus einer aluminiumbeschichteten Kunststoff- oder Schaumstofffolie. Hochwertigere Ausführungen sind mehrlagig aus isolierendem und wasserabweisendem Material gefertigt. Seitliche Laschen werden in die Autotüren eingeklemmt und sichern die Matte gegen Windböen. Wichtig sind die passende Größe und eine weiche Unterseite, die das Glas vor Kratzern schützt. Manche Matten decken die Scheibenwischer mit ab. Abdeckungen aus Karton mit attraktiven Motiven ziehen zwar Blicke von Passanten auf sich, leiden aber rasch durch die Feuchtigkeit.
Schnee vom Dach: Nach heftigem Schneefall genügt es nicht, nur die Scheiben zu befreien. Schnee auf dem Autodach kann beim Bremsen nach vorn rutschen und die Sicht durch die Windschutzscheibe ganz plötzlich versperren. Ebenso können sich bei höherem Tempo Schnee und Eis lösen, nach hinten wegfliegen und folgende Verkehrsteilnehmer gefährden.
Standheizung statt Garage: Wohl dem, dessen Wagen eine Standheizung hat. Wer diese – möglichst per Zeitschaltuhr oder Fernbedienung – je nach Frost 15 bis 30 Minuten vor Fahrtantritt einschaltet, braucht sich in nicht um eisfreie Scheiben zu kümmern. Zudem genießt er gleich beim Einsteigen eine wohlige Wärme im Innenraum. Gut zu wissen: Eine kraftstoffbetriebene Standheizung benötigt für den Betrieb zusätzlich Strom aus der Fahrzeugbatterie.
Batterie kontrollieren: Niedrigere Temperaturen verringern die Leistungsfähigkeit der Starterbatterie in Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Häufige Kurzstrecken ebenfalls. Gleichzeitig benötigt der Motor bei winterlichen Kaltstarts mehr Energie. Wie lange eine Batterie bei Kräften bleibt, hängt von ihren Einsatzbedingungen und ihrem Alter ab. Bei normalem Fahrbetrieb und regelmäßiger Nutzung lebt sie durchschnittlich fünf bis sechs Jahre lang. Bei nicht mehr ganz neuen Starterbatterien empfiehlt sich ein Test vor den Wintermonaten und gegebenenfalls ein Austausch. Autowerkstätten prüfen Spannung und Zustand der Batterie mit speziellen Geräten binnen weniger Minuten. So können Schwächen erkannt werden, bevor der Motor an einem frostigen Morgen nicht mehr anspringt.
Motor nicht im Stand warmlaufen lassen: Zwar ist es komfortabel, den Verbrennungsmotor zu starten und anschließend Frontscheiben-, Heckscheiben- und Sitzheizung ihre Arbeit machen zu lassen. Doch eine gute Idee ist das nicht. Der Verschleiß im Motor ist während der ausgedehnten Kaltlaufphase hoch, ebenso der Schadstoffausstoß. Zudem untersagt Paragraf 30 Absatz 1 der StVO das unnötige Laufenlassen von Motoren. So werden Lärm sowie Abgase vermieden. Wer die ersten Kilometer mit moderaten Drehzahlen zurücklegt, schont den Motor. Die volle Leistung sollte dem Triebwerk erst abverlangt werden, wenn das Kühlwasser und das sich langsamer erwärmende Motoröl ihre Betriebstemperatur erreicht haben. Besonders wichtig für Laternenparker: Das Kühlmittel wie Scheibenwischwasser sollte durch ein geeignetes Frostschutzmittel gegen Minustemperaturen von mindestens 25 Grad geschützt sein.
Fachgerecht öffnen: Feuchte Türdichtungen können am Auto festfrieren – Einsteigen ist unmöglich. Wer dann die Türen mit viel Kraft öffnet, riskiert beschädigte Dichtungen. Vorsichtiger Druck gegen die Tür kann helfen, die Vereisung zu lösen. Vorbeugen hilft immer: Bei gereinigten und mit einem geeigneten Gummipflegemittel behandelte Dichtungen ist die Gefahr des Festfrierens sehr gering. Auch Türschlösser können einfrieren und das Öffnen einer Autotür verhindern. Türschloss-Enteiser sind wirkungsvoll – und gehören natürlich in die Jackentasche statt ins zugefrorene Auto. Ein geeigneter Schließzylinder-Pflegestoff kann entgegenwirken.
Scheibenwischer schonen: Sind die Wischerblätter an der Windschutzscheibe angefroren, sollten sie keinesfalls mit Gewalt abgezogen oder einfach eingeschaltet werden. Sonst können die empfindlichen Gummilippen oder der Scheibenwischermotor beschädigt werden. Hier hilft ein Scheibenenteiser.
Geeigneter Parkplatz: Nicht jeder Abstellplatz ist gleich gut geeignet. Von Bäumen können in Herbst und Winter Blätter und Äste fallen, vor allem nach starkem Schneefall. Blätter verstopfen gern Abwasserführungen in der Karosserie. Staut sich das Wasser, kann dies Korrosion verursachen. Allerdings: Vor allem in Städten haben viele Autofahrer beim Abstellen ihres Wagens keine große Auswahl. Man nehme, was kommt – und tatsächlich ist es direkt unter einer Laterne gar nicht so ungünstig. Denn dann hat man zumindest Licht, wenn man morgens im Dunkeln mit dem Eiskratzer zu Werke geht.