Innovationsmotor Elektroauto

  • Das hohe Innovationstempo in der Branche macht neue Modelle attraktiv
  • Schneller laden, weiter fahren, E-Auto ins eigene Stromsystem einbinden
  • Tipps der GTÜ rund um die Auswahl bei der Anschaffung eines E-Autos

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Stuttgart. E-Autos machen Tempo. Gemeint sind hier nicht nur Beschleunigung und Fahrgeschwindigkeit, sondern das zügige Voranschreiten der Technik batterieelektrischer Autos (BEV) auf dem Markt. Das wird besonders deutlich beim Blick zurück um vier bis fünf Jahre. Seit Anfang der 2020er-Jahre haben sich E-Autos maßgeblich weiterentwickelt. Verglichen dazu war bei Verbrennern der Fortschritt im gleichen Zeitraum eher klein. Was ist der aktuelle Stand beim Angebot von E-Autos in Deutschland? Und worauf sollte man bei der Anschaffung achten? Die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH nennt wichtige Tipps.

Alltag unter Strom: Elektroautos sind in Deutschland im Alltag angekommen – und werden immer beliebter. Der Anteil von BEV am gesamten Pkw-Bestand lag zwar im September 2026 nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes erst bei knapp 5 Prozent, aber der Trend spricht für die Elektromobilität. Reine E-Autos machten im selben Monat bereits fast 35 Prozent der Pkw-Neuzulassungen in der Bundesrepublik aus. Fünf Jahre zuvor lag der Anteil im September 2021 nur bei rund 17 Prozent. Auch das Modellangebot nimmt laufend zu, von 2020 bis 2025 hat es sich etwa vervierfacht.

Batteriecheck bei Gebrauchten: Gleichzeitig entwickelte sich in den vergangenen Jahren der Markt der jungen gebrauchten E-Autos zum wichtigen Segment. Wer sich für ein gebrauchtes BEV interessiert, sollte vor allem auf den Batteriezustand achten, denn der Akku ist meist der wertvollste Teil eines elektrischen Fahrzeugs. Die GTÜ bietet in Kooperation mit ihrem Partner AVILOO zertifizierte Tests der Traktionsbatterie an.

Mehr Strom: Das hohe Innovationstempo bei batterieelektrischen Fahrzeugen bemerken auch Laien. Wer ein aktuelles Modell mit Vorgängern des gleichen Segments von vor vier oder fünf Jahren vergleicht, staunt über die Unterschiede. Zum Beispiel bei der weiterentwickelten Ladetechnik. Gut ausgestattete aktuelle Fahrzeuge laden heute teilweise mit 300 bis 400 kW an Schnellladesäulen mit Gleichstrom. Das sorgt für ein besonders schnelles Auffüllen des Akkus mit Strom selbst bei großer Batteriekapazität. Bei besonders schnell ladenden Modellen kann in rund 20 Minuten der Batteriestand von weniger als 20 Prozent auf 80 Prozent gefüllt werden. In zehn Minuten laden solche modernen Mittelklassefahrzeuge Strom für mehr als 300 Kilometer. Kein Vergleich also zu Anfang der 2020er-Jahre, als an ersten DC-Säulen viel länger geladen werden musste.

Mehr Reichweite: Auch die Batterie- und Antriebstechnik entwickelt sich zügig weiter. Höhere Batteriespannung und größere Kapazität, bessere Zellen, intelligenteres Management von Akku und Antrieb sowie Fortschritte bei der Motortechnik sorgen für mehr Effizienz und Reichweite. Im Durchschnitt sind die Normreichweiten von 2020 bis 2025 um rund ein Drittel gestiegen – bei vielen aktuellen Modellen liegt sie bei 500 Kilometer und mehr. Die konkrete Reichweite sinkt zwar mit hohem Autobahnanteil und niedrigen Außentemperaturen. Kombiniert mit Schnellladen bedeutet aber der heutige Stand der Technik einen massiven Gewinn an Alltagstauglichkeit selbst für Nutzer, die oft lange Strecken fahren.

Mehr Vernetzung: Schon heute werden Elektroautos immer häufiger über intelligente Wallboxen mit der Photovoltaikanlage und dem Energiemanagement von Privathäusern vernetzt. Beim sogenannten PV-Überschussladen fließt selbst erzeugter Solarstrom direkt in die Fahrzeugbatterie. Das senkt die Stromkosten fürs Fahren und erhöht vor allem dann den Eigenverbrauch der Sonnenenergie, wenn man tagsüber laden kann.

Mehr Austausch: Noch einen Schritt weiter geht das bidirektionale Laden: Entsprechend ausgestattete Elektroautos können den gespeicherten Strom bei Bedarf wieder ans Netz abgeben. Bei der Vehicle-to-Home-Technik (V2H) versorgen sie das eigene Haus, bei Vehicle-to-Grid (V2G) kann Energie sogar ins öffentliche Stromnetz zurückfließen. Erste kommerzielle Angebote in Deutschland gibt es etwa von BMW und Mercedes-Benz zusammen mit Partnern der Energieindustrie. Noch ist das Angebot kompatibler Fahrzeuge, Ladeeinrichtungen und entsprechender Stromtarife klein, das Potenzial von E-Autos als intelligenter Bestandteil der Energieversorgung hingegen ist groß.

Mehr Visionen: Die Forschung an der E-Mobilität läuft weiter auf Hochtouren. Neue Motoren überzeugen mit hoher Leistungsdichte und Effizienz, künftige Batterietechniken sollen Akkus günstiger machen. Die Entwicklung bleibt spannend.

Den eigenen Bedarf realistisch einschätzen: Aber muss es stets die neueste Technik sein? Viele Autobesitzer nutzen die Möglichkeiten aktueller E-Autos in ihrem typischen Mobilitätsalltag nicht regelmäßig. Die rechnerische Durchschnittsjahresfahrleistung von BEV in Deutschland liegt nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes bei nur 11.312 Kilometern. Das macht rund 31 Kilometer pro Tag. Wer überwiegend kurze Strecken zurücklegt und seine Fahrzeugbatterie regelmäßig laden kann, ist mit einem gebrauchten Elektroauto oft gut bedient und kann von den günstigeren Preisen junger Gebrauchter profitieren. Nach Angaben der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) kosteten im März 2025 gebrauchte BEV drei Jahre nach der Erstzulassung durchschnittlich nur noch gut die Hälfte ihres ursprünglichen Listenneupreises. GTÜ-Tipp: Vor der Anschaffung eines BEV den eigenen Bedarf gründlich analysieren und dann entscheiden.

Vom Infrastrukturausbau profitieren alle: Die frühere Reichweitenangst vor dem Elektroauto hing vor allem mit der Unsicherheit zusammen, ob man auf längeren Strecken laden kann. Das war schon damals übertrieben, und die Situation hat sich in den vergangenen Jahren maßgeblich weiter verbessert. Anfang 2022 standen in Deutschland rund 58.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte zur Verfügung, heute sind es fast 215.000. Wichtig für effizientes Laden auf der Langstrecke: Besonders deutlich wurde das Schnellladenetz ausgebaut, wobei manche Region da noch immer eher mager ausgestattet ist. Insgesamt ist Elektromobilität auf längeren Strecken heute aber komfortabel – mit einem Neuwagen genauso wie mit einem älteren Fahrzeug, das oft eine geringere Reichweite je Batterieladung hat.

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Frank Reichert
Leiter Unternehmenskommunikation
0711 / 97676620
frank.reichert@gtue.de