Bosch bringt den Unfall-Notruf ins E-Bike

Foto: Auto-Medienportal.Net/Bosch

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Vor zehn Jahren, als E-Bikes vor allem bei Senioren beliebt und vom Rest der Fahrradwelt nicht wirklich ernst genommen wurden, überlegten sich bei Bosch einige Ingenieure, wie man einen der vielen elektrischen Motoren aus der Bosch-Produktpalette zu einem Antrieb für die neue Fahrradgattung entwickeln könnte. Zehn Jahre später haben sich die Räder mit elektrischer Unterstützung auf ganzer Linie durchgesetzt, und „Bosch eBike Systems“ gehört heute zu den Weltmarktführern.

Für das neue Modelljahr 2021 kommt neben überarbeiteten Antriebseinheiten und optimierter Computer mit Help Connect ein neuer Service auf den Markt, den es in dieser Form bisher nur bei Automobilen gab. Help Connect erkennt Stürze und informiert nach einem Unfall selbsttätig ein Service-Team, das die Rettungskette in Gang setzt. Gleichzeitig sendet das Smartphone nach dem Sturz Warntöne, um Passanten in der Nähe zu alarmieren. Außerdem kann der gestürzte Biker selbst Hilfe rufen. „Wir arbeiten permanent an Technologien und Lösungen wie dem Bosch eBike ABS, um das eBiken noch sicherer zu machen“, erklärt Claus Fischer, Geschäftsleiter von Bosch e-Bike Systems.

Help Connect ist eine neue Funktion der Cobi-Bike-App. Dank eines intelligenten Algorithmus erkennt die Smartphoneanwendung den Sturz und setzt einen Notruf ab. „Beim E-Bike ist ein derartiges System sinnvoll, denn viele Radfahrer sind häufig allein unterwegs, und wenn es auf abgelegenen Strecken zu einem Sturz kommt, kann das schwerwiegende Folgen haben“, so Fleischer. Der neue digitale Begleiter sendet nach einem Sturz die Koordinaten des aktuellen Standorts, so dass die Helfer nicht lange nach dem Verletzten suchen müssen. Der neue Service ist für IOS- und Android-Geräte erhältlich. Aktuell ist er für Nutzer mit einer deutschen Sim-Karte in Österreich, Schweiz, Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Großbritannien, Irland, Italien und Spanien nutzbar.

Für die Antriebe stellt das Unternehmen für das Modelljahr 2021 neue Software-Updates bereit, die jetzt ein maximales Drehmoment von 85 Newtonmetern erlauben, und das vor allem bei niedrigen Trittfrequenzen zu mehr Schub verhilft. Die neue Software ist für Cargo Line, Cargo Line Speed, Performance Line Speed und Performance Line CX (von Baujahr 2020 an) lieferbar.

Zur Feier des zehnjährigen Jubiläums, das eigentlich groß gefeiert werden sollte und wegen Corona dann doch nur im Netz stattfand, hatte Bosch seine Partner zu einem Wettbewerb eingeladen, um besondere Fahrräder zu entwickeln. Dabei mussten sie vorab definierte Produkte in die Entwürfe integrieren. Die erfolgreichen Räder kommen nun in begrenzter Stückzahl auf den Markt. In der Kategorie „Future Design“ setzte sich Cannondale mit seinem „Topstone Neo Carbon Lefty LE“ durch, das für den Einsatz auf Asphalt, Feldweg und Schotter entwickelt wurde. Die Vollfederung wurde dabei vollständig in den Carbonrahmen integriert. Als Antrieb dient die Performace Line CX. Insgesamt 50 Exemplare gehen in den Handel, der 9499 Euro je Rad verlangt.

In der Kategorie „Unique Character“ siegte Cube mit dem „Stereo Hybrid 140 29“. An dem E-Mountainbike ist nicht nur der Antrieb elektrifiziert, sondern auch die Schaltung und die verstellbare Sattelstütze. 99 Exemplare werden gebaut und für jeweils 9999 Euro angeboten. Um das Rad anbieten zu können, müssen sich die Händler allerdings an einer Lotterie beteiligen, um das Sondermodell in ihre Läden stellen zu können. Vom Siegerrad in der Wertung „Bosch Heritage“ werden nur zehn Exemplare gebaut, die für einen guten Zweck versteigert werden sollen. Die einzelnen Räder des französischen Herstellers Moustache werden jeweils individuell von den beiden Künstlern Vincent Loisy und Loick Graviere alias Sakew gestaltet. Moustache versteht seinen Entwurf als Kunstwerk, das für „zehn Jahre pures Leben“ steht.

Bosch e-Bike Systems produziert zwar selbst keine Räder, zeigte bei der virtuellen Vorstellung der Neuheiten aber seine eigene Vorstellung, wie sich das Design weiterentwickeln könnte. Das Design Vision ist als sportliches Stadtrad oder auf neudeutsch Urban Sports Cruiser konzipiert, bei dem das Bosch-Antriebssystem mit Rahmen und Lenker zu einer Einheit verschmilzt. Seitliche Kanäle bringen die Kühlluft an den Motor, und die Federelemente sind vollständig in den Rahmen integriert. Der Akku ist im Unterrohr montiert und kann fürs Laden entfernt werden. In den Lenker integrierten die Bosch-Designer den neuen vernetzten Bordcomputer Nyon. Die Verkabelung und die Hydraulikleitungen wurden in das Innere des Cockpits verlegt. Mit an Bord ist das E-Bike-ABS, das hinter dem Frontgepäckträger montiert wurde.

Der Prototyp ist, so Fleischer, ein Ausblick auf „eine spezifische E-Bike-Designsprache, die das E-Bike als Ganzes sieht“. (ampnet/ww)