ADFC fordert rascheren Ausbau der Radinfrastruktur

Foto: Auto-Medienportal.Net/pd-f/Kay Tkatzik

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Die Verkehrssicherheit für Radfahrende betrachtet der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club derzeit mit großer Sorge. Seit Jahren verschlechtern sich laut ADFC die Unfallzahlen gegen den Trend beim Gesamtverkehr. Und es gebe erste Hinweise, dass sich die Situation seit der Corona-Krise deutlich zugespitzt habe. Anlässlich des morgigen Verkehrssicherheitstages ruft der ADFC die Kommunen daher auf, jetzt Beschleunigungsprogramme für den Ausbau der Radinfrastruktur aufzusetzen.

„Der Radverkehr wächst seit Jahren, besonders in den Städten. Das ist politisch so gewollt – und diese Entwicklung soll im Sinne des Klimapakets sogar kräftig vorangetrieben werden. Gleichzeitig kommt der Infrastrukturausbau nicht hinterher, weil deutsche Bürgermeisterinnen und Verwaltungsleiter dem Radverkehr zu zaghaft mehr Platz zugestehen“, sagte ADFC-Geschäftsführer Burkhard Stork. Er spricht von „Alarmstufe Gelb“. Es fordert eine schnellere Beruhigung des Autoverkehrs, bessere Radwege, optimierte Ampelschaltungen und sichere Kreuzungen. Mit Pop-up-Infrastrukturelementen wie in Berlin könne jede Kommune sofort damit anfangen, die Verkehrssicherheit für Radfahrende zu erhöhen.

Nach internen Auswertungen des Clubs haben die Fahrradunfälle seit dem Corona-Shutdown im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen. Alle 20 Stunden sterbe ein Radfahrer bei einem Verkehrsunfall, beklagt Stork. Seit 2017 verschlechterten sich die Unfallzahlen beim Radverkehr ohnehin schon kontinuierlich. 2018 seien 88.850 Radfahrer auf deutschen Straßen verunglückt, und damit elf Prozent mehr als im Jaghr davor. Unter den Unfallopfern waren nach Angaben des ADFC auch 10.225 Kinder (plus vier Prozent). 445 Radfahrende kamen laut Deutschem Verkehrssicherheitsrat (DVR) 2018 zu Tode, das sind fast 17 Prozent mehr als 2017. Unter den Getöteten waren 21 Kinder, sechs von ihnen starben durch rechtsabbiegende Lkw.

Etwa zwei Drittel aller Fahrradunfälle sind Kollisionen mit Autos. Hauptschuld trägt in den allermeisten Fällen (75 Prozent) der Kraftfahrer. Bei etwa jedem fünften polizeilich erfassten Unfall ist kein anderer Verkehrsteilnehmer beteiligt. Einen Großteil dieser Fälle führt der Fahrrad-Club die mangelhafte Infrastruktur zurück – also Stürze durch Schlaglöcher, Baumwurzelaufbrüche, Abbruchkanten oder Hindernisse auf dem Radweg.

Zentrales Problem für die Sicherheit von Radfahrenden ist nach Auffassung des ADFC die immer noch für den Autoverkehr optimierte Infrastruktur. Kreuzungen würden vor allem mit Blick auf die Menge der Kraftfahrzeuge geplant, die man dort hinüberleiten könne, und nicht zugunsten der Sicherheit für alle. „Und auch beim Platz wird zuerst geschaut, dass der Autoverkehr genug bekommt. Fuß- und Radverkehr muss sich dann auf Restflächen quetschen“, so Burkhard Stork. Deutschland brauche mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer – und das möglichst rasch. (ampnet/jri)