Heißer Motorsport und viel Rennprominenz auf dem Eis

Foto: Auto-Medienportal.Net/Skoda

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Heiß auf Eis: Rund 16.000 Motorsport-Fans pilgerten zum Alten Flugplatz in das sonst eher beschauliche Zell am See in Österreich, um das „GP Ice Race“ zu verfolgen. Den Zuschauern wurde nicht nur großartiger Sport geboten. Dankbar und begeistert nutzten die Zuschauer auch die Gelegenheit, im frei für jedermann zugänglichen Fahrerlager mit den Stars ins Gespräch zu kommen, Selfies zu schießen und die Fahrzeuge aus nächster Nähe zu bewundern. Und davon gab es reichlich.

So steuerte Hans-Joachim Stuck auf der Eispiste seinen March-Cosworth 714 in Jägermeister-Lackierung, mit der er an der Formel-1-Saison 1976 teilnahm. Um den Boliden auf Eis überhaupt bändigen zu können, wurde der knapp 500 PS starke Rennwagen auf Spikes gestellt. Und Stuck ließ es richtig krachen. Statt der vorgesehen zwei legte er gleich vier Runden aufs Eis und hätte am liebsten gar nicht mehr aufgehört. „Das macht so viel Spaß, das ist einfach unglaublich“, sprudelte es aus einem grinsenden „Striezel“ heraus.

Audi mit dem deutschen Formel-E-Ass Daniel Abt und Porsche brachten ihre aktuellen Formel-E-Rennwagen mit. Noch mehr Elektro präsentierte Volkswagen mit Konzeptwagen Golf e-R1. Äußerlich sieht er aus wie ein TCR-Golf. Zwei elektronische Antriebstränge, einer für jede Achse, sorgen für eine unglaubliche Beschleunigung. Zwar offenbarte VW nicht die technischen Details, aber das Model aus der Performance-Schmiede Volkswagen R dürfte über gut 550 PS verfügen. Bei der Mitfahrt war das unverwechselbare Schnurren der beiden Elektromotoren überraschend laut und gab sofort eine akustische Rückmeldung darüber, wie stark Pilot Benjamin Leuchter das Gaspedal drückte. Auf Asphalt beschleunigt der e-R1 in unglaublichen 1,9 Sekunden von null auf 100. „Wir wollen dieses Auto nutzen, um zu zeigen, wie sexy E-Mobilität sein kann. Es schlägt an der Ampel jeden Lamborghini“, so Jost Capito, Leiter Volkswagen R.

Das „Ice Race of Champions“ mit technisch identischen, vom Werksteam vorbereiteten Skoda Fabia Rally 2 Evo gewann der Deutsche Rallyemeister Fabian Kreim. In der Addition der Läufe beider Tage gewann er mit einem Sieg und einem zweiten Platz die Gesamtwertung vor Julian Wagner (AUT). Martin Koči (Slowakei) wurde Dritter vor Filip Mareš aus der Tschechischen Republik.

Ein weiterer Höhepunkt waren die Auftritte von Leuchters US-Kollege Tanner Foust, unter anderem dreifacher US-Rallye-Cross Meister. Eindrucksvoll demonstrierte er in seinem rund 600 PS starken VW Beetle AXR sein außergewöhnliches Können auf Eis. Kleiner Wermutstropfen: „Es ist vielleicht das letzte Mal, dass ich den Beetle gefahren bin“, so Foust mit Blick auf die eingestellte Beetle-Baureihe. Auch VW Classic präsentierte sich den Motorsport-Fans mit dem legendären Salzburg Käfer, der in den 70er-Jahren die Rallye-Sportszene aufmischte.

Beim Skijöring waren neben Talent zum Autofahren auf Eis auch Künste auf Skiern gefragt. Bei dieser traditionellen Sportart, die hierzulande weitgehend unbekannt ist, wird ein Skifahrer von einem motorisierten Fahrzeug über das Eis gezogen. Formel E-Pilot Daniel Abt zog mit seinem Audi e-Tron FE06 Ski-Freestyler Benedikt Mayr über die Strecke. Stark auch der Auftritt von Skistar Aksel Lund Svindal, mehrfacher Ski-Weltmeister, Olympiasieger und Weltcup-Gewinner. Er wurde von einem Porsche Carrera 3.2 4x4, der 1984 die Rallye Dakar gewonnen hatte, über die eisige Piste gezogen. Am Steuer des Carrera saßen Bernhard und Jörg Bergmeister. Dass ein Weltklasse-Skifahrer per se ein feines Gespür für die richtige Linie hat, demonstrierte Marcel Hirscher. Gekonnt pilotierte er seinen Rallyecross-Audi EKS RX S1 008 über das eisige Oval, während DTM-Pilot Benoît Tréluyer in einem alten DKW F 91 den früheren Slalom-Weltmeister Frank Wörndl auf Skiern hinter sich herzog.

Organisiert wird das GP Ice Race von Ferdinand Porsche und Vinzenz Greger, die die Liebe zum Motorsport verbindet. Sie haben sich während des Studiums in Wien kennengelernt – dort, wo Ferdinands Urgroßvater, Dr. ing. h. c. Ferdinand Porsche, heimlich Vorlesungen besucht hat. Nach einer 45 Jahre langen Pause hauchten sie mit der Neuauflage im vergangenen Jahr der traditionsreichen Veranstaltung neues Leben ein. (ampnet/hay)