Nicht zu bremsen: Wieder legen Caravans und Reisemobile zu

Foto: Auto-Medienportal.Net/Michael Kirchberger

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Seit nunmehr acht Jahren kennt die Caravaningbranche nur einen Weg. Und der führt steil nach oben. Immer mehr Menschen suchen naturnahe Erholung auf lauschigen Stellplätzen oder das maßgeschneiderte Freizeitangebot, mit dem Fünf-Sterne-Camps im Stil von Club-Med oder -Robinson locken. Erneut konnten die Verkaufszahlen in diesem Jahr zulegen. Von Januar bis Mai haben sich 29 837 Kunden ein Reisemobil und 14 146 einen Wohnwagen angeschafft. Die Steigerungsraten entsprechen einem Zuwachs von 15,3 und 12,2 Prozent.

Vor allem die selbstfahrenden Häuser auf Rädern treibt die Erfolgswelle voran, ihr Absatz in den ersten fünf Monaten 2019 entspricht dem, was 2015 noch in einem ganzen Jahr verkauft wurde. Doch auch die Caravans haben sich nach einem Einbruch vor etwa zehn Jahren gefangen und steigen wieder in der Beliebtheit der Camper. „Der Wohnwagen erlebt gerade eine 
Renaissance“, sagt Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des Branchenverbandes CIVD (Caravaning-Industrie-Verband Deutschland). Besonders junge Familien würden sich für diese Urlaubsform entscheiden, die Infrastruktur vieler Campingplätze sei perfekt auf die Bedürfnisse von Kindern nahezu aller Altersklassen zugeschnitten und ermögliche ihnen und den Eltern einen erholsamen Urlaub, so Onggowinarso. Diese jungen Erstkäufer haben das durchschnittliche Alter der Neukunden aktuell von 54,2 auf rund 52 Jahre gesenkt. 

Die Trends der aktuellen Saison entsprechen weitgehend den Anforderungen in den vergangenen Jahren und lassen sich mit drei „K“ auflisten. Die Kunden wünschen immer mehr Komfort, fordern gleichzeitig jedoch kompakte Abmessungen und vermehrt Konnektivität. War es einst das Fahrrad und darauf das Satelliten-TV, das untrennbar mit dem Campingurlaub verbunden war, so ist heute der Zugang zum Internet unabdingbar. 

Neu ist die Zuneigung zum Kastenwagen ohne Sanitärraum. Zwar hat der Klassiker, der California T6 von VW, als typischer Vertreter dieser Fahrzeugklasse schon bisher alleine für einen Jahresabsatz von mehr als 10 000 Exemplaren gesorgt, und auch das zweite Urgestein, der Ford Nugget, schlägt sich wacker. Doch haben die Transporter Peugeot, Citroen und Toyota, die als Traveller, Space Tourer und Proace auf die Reise gehen, Ausbauer zum Nachdenken inspiriert. Wenn der knapp fünf Meter lange Van von Herbst an auch als Opel Zafira Life das Angebot bereichert, werden die Basis-Camper mit Küche, Kühlschrank, Hubdach und vier Schlafplätzen gewiss weiter in der Publikumsgunst steigen. Als Ersatz für den klassischen Personenwagen taugen sie vielen und finden auch in Parkhäusern oder Tiefgaragen eine Unterkunft.

Die Kastenwagen machen mit 43,2 Prozent der Reisemobil-Neuzulassungen ohnehin heute schon den Löwenanteil aus, die Teilintegrierten folgen mit 31,6 Prozent. Die integrierten Mobile beanspruchen 16,9 Prozent als Teil vom Zulassungskuchen, die Alkoven-Fahrzeug bewegen sich im Rückwärtsgang auf den vierten Rang und acht Prozent. Ein Schattendasein fristen trotz neuer Modelle wie der X-Klasse von Mercedes oder dem aufgefrischten Ford Ranger die Pick-ups und andere Spezialaufbauten, sie kommen gemeinsam auf eben mal 0,3 Prozent . 

Deutschland ist in Europa der stärkste Markt der Branche, 68 Prozent aller Reisemobile und Wohnwagen werden bei uns zugelassen. Auf dem zweiten Platz findet sich noch Großbritannien mit 18 Prozent, dahinter rangiert mit einem Punkt weniger Frankreich. Bei uns rechnet der immer etwas vorsichtig prognostizierende Branchenverband CIVD auch in der kommenden Saison mit Wachstum. Fünf Prozent nennt die Vorhersage als Steigerung bei den Wohnwagen, zehn Prozent sollen es bei den Reisemobilen werden. 

Auf der Leitmesse der Branche, dem Caravan-Salon in Düsseldorf (31. 8.–8.9.2019), wird sich abzeichnen, ob diese Prognosen zu konservativ sind. Die größte Caravaning-Ausstellung der Welt zieht immer mehr Besucher an, und da die Fahrzeuge in den 13 Messehallen nicht nur bewundert, sondern auch gekauft werden können, zeichnet die Verkaufsbilanz stets ein ziemlich scharfes Bild der Stimmungslage für das neue Modelljahr. (ampnet/mk)