Volkswagen steigt mit E-Flotte ins Carsharing ein

Foto: Auto-Medienportal.Net/Volkswagen

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Volkswagen steigt mit dem Mobilitätsangebot „WeShare“ ab heute in das expandierende Carsharing-Geschäft ein. Der Startschuss fiel am Vormittag in Berlin. Mit 1500 e-Golf bringt die Marke eine komplett elektrische Flotte – ausnahmslos mit „Grünstrom“ betrieben – auf die Straßen der deutschen Hauptstadt. Anfang des kommenden Jahres folgen 500 zusätzliche e-Up und nach Markteinführung des ID 3 Mitte 2020 die ersten Exemplare des kommenden vollelektrischen VW-Modells der neuesten Generation.

We Share arbeitet nach dem Free-Floating-Prinzip ohne fixe Mietstationen und funktioniert digital per App. Im Jahr 2020 ist eine Expansion zunächst gemeinsam mit Skoda nach Prag und dann nach Hamburg (VW) geplant. 

Die Wolfsburger gönnten sich eine einjährige Entwicklungszeit für das neue Angebot des markeneigenen „We-Ökosystems“, in dem alle Mobilitätsdienstleistungen der Marke Volkswagen zusammengefasst werden. Seit Mitte April konnten rund 2500 Berliner Nutzer die ersten 400 Fahrzeuge und die neue We-Share-App im Rahmen einer dreimonatigen Testphase auf Herz und Nieren prüfen. Offenbar mit Erfolg: Zurzeit wird die App und damit das VW-Carsharing mit 4,5 von fünf Sternen bewertet.

Während das Berliner Angebot in der Testphase zunächst auf den Raum innerhalb des S-Bahn-Ringes beschränkt war, geht es ab sofort darüber hinaus. Ab heute werden ungefähr 150 Quadratkilometer der deutschen Hauptstadt abgedeckt. Ab 2020, wenn die 500 E-Up und die ID 3 hinzukommen, wird das Gebiet erneut erweitert. 

Die Kunden profitieren zum Marktstart für zwei Monate von einem Tarif von 19 Cent pro Minute und dem Wegfall der einmaligen Registrierungsgebühr sowie der Gebühr, ein We-Share-Fahrzeug an einem der Berliner Flughäfen abzugeben beziehungsweise zu übernehmen. Ab September werden dann Tarife in drei Kategorien zu einem durchschnittlichen Minutenpreis von 29 Cent angeboten. Dabei wird es sich um flexible Preismodelle – je nach aktueller Nachfrage – handeln.

Die Nutzung des Dienstes ist einfach: Voraussetzung sind neben dem Besitz eines Smartphones mit der App und einer Kreditkarte, ein Mindestalter von 21 Jahren, der Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis seit mindestens einem Jahr sowie eine Meldeadresse in Deutschland. 

Geladen wird die vollelektrische VW-Carsharing-Flotte an rund 800 öffentlichen Ladepunkten inklusive gerade entstehender Ladepunkte an 70 Filialen der Lebensmitteleinzelhändler Lidl und Kaufland: „Supermärkte sind die Tankstellen der Zukunft“, so Christian Senger, Volkswagen Markenvorstand für Digital Car & Services. Mit den Unternehmen der Schwarz-Gruppe hat Volkswagen jüngst eine Partnerschaft abgeschlossen, um den Betrieb seiner elektrischen Flotte sicherzustellen und den Ausbau der Ladeinfrastruktur in öffentlichen Räumen im Rahmen seiner E- Mobilitätsoffensive voranzutreiben. Weitere Partnerschaften sollen folgen. Die Fahrzeuge werden anfangs bei niedrigem Batteriestand durch Service-Mitarbeiter von We Share eingesammelt und geladen. Im späteren Betrieb sollen Nutzer Anreize für das eigenständige Laden erhalten.

Hinzu werden Formen der Micromobilität kommen, wobei der E-Scooter nur eine Variante von vielen sein wird. Volkswagen verweist auf eine intensive Marktbeobachtung, um die Fehler früherer Carsharing-Anbieter zu vermeiden und erwartet in wenigen Jahren ein profitables Geschäftsmodell auch in weiteren Städten: „Wir kommen, um zu bleiben.“, so Philipp Reth, Chief Officer von We Share.

Das neue Carsharingangebot ist ein weiterer Baustein in der VW-Strategie, sich von einem reinen Automobilhersteller zum führenden Anbieter von Mobilität insgesamt zu wandeln. In der kommenden Woche eröffnen die Wolfsburger einen neuen Standort in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes: Mehrere hundert Mitarbeiter werden dann den „WeCampus“ bevölkern und sich um die Ausweitung der Angebote des „We“-Ökosystems kümmern.

Bereits zu Beginn des Jahrzehnts hatte VW mit „Quicar“ einen ersten Versuch gestartet. Das Carsharing-Projekt war lokal auf Hannover beschränkt. Es wurde vor dreieinhalb Jahren an den niederländischen Marktführer Greenwheels abgegeben. (ampnet/av)