Mercedes-Benz Vans: Aus dem Hinterhof zu „validen Businesschancen“

Foto: Auto-Medienportal.Net/Daimler

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Mahnung oder Motivation? Volker Mornhinweg, Chef des Geschäftsbereichs Mercedes-Benz Vans, hat seine junge „Denkfabrik“ mit dem trendigen Namen „Inno-Lab“ in einer aufgelassenen Fabrik in Stuttgart untergebracht. Hier wurden Filme für Fotoapparate hergestellt, bis die digitale Fotografie aufkam und einen ganzen Weltkonzern wegfegte. In einem Hinterhof der alten Kodak-Fabrik denkt jetzt eine junge Mannschaft aus unterschiedlichsten Fachbereichen über die Zukunft des leichten Nutzfahrzeugs nach – und wieder bestimmt die Digitalisierung die Zukunft. Doch geht es jetzt nicht ums Überleben, sondern um das Geschäftsmodell, das den aktuellen Erfolg lange sichert.

Die jungen Querdenker und die klassischen Geschäftsentwickler arbeiten „an sehr validen Businesschancen, die es bisher nicht gab“, weiß Volker Mornhinweg. Er sieht seinen Geschäftsbereich auf einem guten Weg. Die Zahlen des vergangenen Jahres sieht er als Verpflichtung: „Wir sind heute so gut aufgestellt wie nie zuvor. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um in die Zukunft zu investieren“, fordert Mornhinweg den Gründergeist seiner Mannschaft heraus.

Insgesamt mehr als zwei Milliarden Euro will Mercedes-Benz Vans 2017 und 2018 in die Erweiterung und Erneuerung des Produktportfolios und für neue Dienstleistungen investieren. Zu den Schwerpunkten zählen der erste Pick-up von Mercedes-Benz, die X-Klasse, und die nächste Generation des Transporters Sprinter, aber auch Gesamtlösungen rund um die Fahrzeuge der Marke.

Als eines der ersten konkreten Ergebnisse der strategischen Zukunftsinitiative „adVANce“ startet Mitte dieses Jahres die Mercedes-Benz Vans Mobility GmbH mit einem Angebot neuartiger Miet-, Sharing-, Leasing- und Flottenmanagement-Modelle aus einer Hand. Das Geschäftsmodell ähnelt dem vom Car2go und wird, ebenfalls über Apps abrufbar, Fahrzeuge für den gewerblichen Kunden bereithalten. Transportkapazitäten nutzen. ohne sie zu besitzen – das ist unter anderem für Logistikkunden an Tagen mit besonders hohem Bestellaufkommen interessant. Ab Mitte 2017 beginnt die Einführung erster Produkte in Deutschland. Die neue Gesellschaft ist unter dem Dach von Daimler Financial Services (DFS) angesiedelt. Der Sitz ist in Berlin. Bis Jahresende werden dort rund 40 Mitarbeiter tätig sein.

Bis zum Jahr 2020 sollen rund 500 Millionen Euro in „adVANce“ investiert werden. Das neue Geschäftsfeld soll die Sparte vom Hersteller zum Anbieter ganzheitlicher Systemlösungen entwickeln. Mercedes-Benz richtet seine Aufmerksamkeit dabei auf die gesamte Wertschöpfungskette und das komplette Geschäftsumfeld seiner Kunden. Neben Digitalisierung, Automatisierung und Robotik im Transporter zählen auch innovative Mobilitätsangebote zum Programm, eben auch die der Mobility GmbH. Die nächste Generation des Sprinters, die noch vor Ende des Jahrzehnts auf den Markt kommen soll, wird deswegen voll vernetzt sein.

2017 wird ein wesentlicher Teil der Investitionen auf die weitere Modernisierung und den Ausbau des weltweiten Produktionsnetzwerks entfallen, auch mit Blick auf die neuen Modelle. Allein in die deutschen Sprinter-Standorte Düsseldorf und Ludwigsfelde investiert das Geschäftsfeld dieses Jahr rund 260 Millionen Euro.

Für das Geschäftsjahr 2016 hatte die Van-Sparte wieder Rekorde bei Absatz, Umsatz und EBIT eingefahren. Die Transporterabteilung von Daimler übergab insgesamt rund 359 100 Transporter und Großraumlimousinen an Kunden, (im Vorjahr 321 000), was einem Wachstum von rund zwölf Prozent entspricht. Der Umsatz wuchs ebenfalls um rund zwölf Prozent auf 12,8 Milliarden Euro (i. V. 11,5). Das Ergebnis (EBIT) von Mercedes-Benz Vans stieg sogar um ein Drittel auf 1,17 Milliarden Euro (i.V. 880 Mio. Euro, plus rund 33 Prozent) und damit erstmals über eine Milliarde Euro. Auch die Umsatzrendite stieg deutlich von 7,7 Prozent auf 9,1 Prozent.

Für dieses Jahr erwartet Mercedes-Benz Vans ein im langjährigen Vergleich hohes Ergebnisniveau. Für Europa sagt Mornhinweg zufriedenstellendes Wachstum voraus, ebenso für den chinesischen Markt. In den USA soll der Markt demnach auf dem 2016er Niveau verharren, während Südamerika 2017 wegen des Nachholbedarfs stark zulegen soll.

Und so soll es auch ab 2018 weitergehen. Volker Mornhinweg: „Mit unserer X-Klasse und der nächsten Generation unserer Transporter-Ikone Sprinter ist die Produkt-Pipeline bestens gefüllt.“ Mornhinweg sieht den Geschäftsbereich darüber hinaus als Pionier für die ständig steigende Nachfrage nach flexiblen und neuartigen Nutzungskonzepten für die leichten Nutzfahrzeuge. Auch dazu soll die Mannschaft des Inno-Labs im Hinterhof der alten Kodak-Fabrik ihren Beitrag leisten. (ampnet/Sm)