Warum nicht beim Autofahren einen Film schauen oder schlafen?

Foto: Auto-Medienportal.Net/Audi

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Die Entwicklung zum autonom fahrenden Auto wird von der Mehrheit der Bundesbürger positiv gesehen. Bei stressigen Nachtfahrten oder im stockenden Verkehr einfach mal abschalten, sich dem elektronischen Lotsen anvertrauen und sich stattdessen sich den Mitfahrern zuzuwenden oder in einem Buch zu lesen, gehört zu den Vorzügen, die die Bundesbürger vom künftigen Autopiloten erwarten.

In einer Umfrage des Digitalverbands Bitcom gaben 66 Prozent der repräsentativ Befragten an, dass sie in den künftig selbstfahrenden Modellen überwiegend Vorteile sehen. Dazu gehören nach Ansicht der Umfrageteilnehmer ein verbesserter Verkehrsfluss (44 Prozent), geringerer Energieverbrauch (40 %), und 34 Prozent glauben, dass selbstfahrende Automobile die Sicherheit auf den Straßen verbessern. 27 Prozent schließlich denken zudem, dass die Insassen durch den Autopiloten besser geschützt sind.

Jeder Vierte kann sich vorstellen, sich die Zeit hinter dem sich selbstständig drehenden Lenkrad mit anderen Dingen zu vertreiben. Allerdings wollen sich viele Fahrzeugführer (44 %) nach wie vor auf den Verkehr konzentrieren. Eine Minderheit kann sich vorstellen, Filme zu schauen (24 %), zu arbeiten (15 %) oder zu schlafen (7 %). „Das Auto, das von alleine fährt – das klang bis vor wenigen Jahren nach Science Fiction. Heute denken wir darüber nach, wie man die gewonnene Zeit nutzen kann, wenn der Autopilot das Steuer übernimmt“, kommentiert Bitcom-Vizepräsident Achim Berg die Umfrage.

Ein gutes Zeugnis stellen die Befragten der klassischen Automobilindustrie aus. Immerhin glauben 76 Prozent, dass die konventionellen Hersteller wie Volkswagen, BMW und Mercedes an der Spitze der Entwicklung fahren und damit Internetkonzerne wie Google, Apple oder Uber, aber auch Neulinge wie Tesla deutlich abhängen. „Die Ausgangsposition der deutschen Automobilhersteller“, so Achim Berg, „beim Rennen um die Weltmarktführerschaft für autonome Autos ist sehr gut.“

Wo so viel Licht strahlt gibt es aber auch Schatten, denn trotz der Begeisterung für die Technik, haben 63 Prozent der Bundesbürger Angst vor technischen Problemen und dabei vor allem vor Hacker-Attacken (61 %), Und auch bei den abgeschöpften Daten haben 52 Prozent Bedenken, das persönliche Daten ohne ihr Wissen von Dritten genutzt werden könnten. „Damit autonome Autos Akzeptanz finden, müssen sie ein Höchstmaß an Sicherheit garantieren, und deshalb brauchen wir klare und transparente Regeln, wer wann welche Daten zu welchem Zweck nutzen darf“, erklärt Berg.

In der Frage der Datennutzung sind die Bundesbürger allerdings gespalten, denn 48 Prozent sind nach der Umfrage durchaus bereit, Daten zur Verfügung zu stellen, wenn dadurch ein gesellschaftlicher Nutzen verbunden ist, also zum Beispiel ein besserer Verkehrsfluss oder Straftaten schneller aufgeklärt werden können. Wenn die gespeicherten Informationen einen persönlichen Nutzen bringen, ist zudem ein Drittel bereit, ihre Daten verwerten zu lassen.

Um die Ursache von Unfällen besser aufklären zu können, befürworten drei Viertel die Montage einer Blackbox, und gleichzeitig halten 73 Prozent der Befragten die Hersteller (einschließlich der Software-Lieferanten) in der Haftung. Acht von zehn Bundesbürger verlangen außerdem eine verbindliche Klärung, wie der Autopilot reagieren muss, wenn ein Unfall unvermeidbar ist.
Die autonome Mobilität wird, so sehen es die meisten Bundesbürger, dramatische Auswirkungen auf die Bedeutung des individuellen Autobesitzes haben. Aktuell sagen noch 62 Prozent, dass ihnen der Besitz eines Autos wichtig ist. Sollte man aber in Zukunft flächendeckend selbstfahrende Modelle per App ordern können, wollen 61 Prozent ganz auf ein eigenes Automobil verzichten. Nur noch sechs Prozent können sich nicht vorstellen, auf ein eigenes Mobil zu verzichten.

Achim Berg: „Das autonome Auto ist nicht nur eine Weiterentwicklung des Autos wie wir es heute kennen, es ist vielmehr ein völlig neues Verständnis von Mobilität. Für die Automobilhersteller bedeuten diese Zahlen, dass es künftig nicht mehr genügen wird, Fahrzeige herzustellen und zu verkaufen. Die Zukunft liegt in einer vernetzten Mobilität, im Angebot von neuen Mobilitätsdiensten.“ (ampnet/ww)