GTÜ-Vergleichstest: Harley-Davidson versus Indian

Seit den 1960er-Jahren haben sich Motorräder in Deutschland vom reinen Fortbewegungsmittel zum Hobby und Freizeitvergnügen entwickelt und auch die Zielgruppen haben sich verändert, insbesondere im hochpreisigen Segment. Im Fokus der Premiumhersteller stehen die sogenannten Best-Ager, Generation 50 Plus, denn hier sitzt das Geld etwas lockerer und Preise jenseits der 20- oder 30-Tausend Euro werden für das Objekt der Begierde bereitwillig gezahlt.

Für unseren Vergleichstest haben wir eines der meistverkauften Bikes des US-Herstellers Harley-Davidson und eine vergleichbare Maschine der zu neuem Leben erweckten Traditionsmarke "Indian" ausgewählt.

Die Harley-Davidson fourty eight hat einen V-Motor mit rund 1.200 Kubikzentimetern Hubraum und leistet 65 PS, eine Einscheibenbremse an der Vorder- und Hinterachse, ein Multi-Kombiinstrument und ein recht kleiner 7,9 Liter fassender Tank gehören zur Serienausstattung.

Die Sitzposition der fourty eight lädt zum entspannten Cruisen ein und das tiefergelegte Fahrwerk ist selbst für schlechte Wegstrecken recht komfortabel abgestimmt. Der maximale Schräglagenwinkel beträgt gerade einmal 27,1 Grad, bei zügiger Kurvenfahrt ist also Vorsicht geboten, denn die Fußrasten setzen schnell auf. Das maximale Drehmoment liegt bei 96 Newtonmeter. Somit ist genug Durchzug auch für Überholvorgänge vorhanden. Die 65 PS aus 1,2 Litern Hubraum kommen dem Dreh am Gasgriff aber kaum hinterher und machen insgesamt einen recht trägen Eindruck.

Der 1,2-Liter-V-Motor der Indian leistet 95 PS und maximal 97 Newtonmeter Drehmoment. Jeweils eine Scheibenbremse vorne und hinten, ein Multifunktionstachometer, Riemenantrieb und ein großer 12,5-Liter-Tank runden das Paket ab. Gefühlt hat die Indian locker 100 PS am Hinterrad und mit einem Trockengewicht von gerade einmal 247 kg hat der drehfreudige V-2-Motor leichtes Spiel.

Wer lieber untertourig cruisen möchte wird aber auch hier auf seine Kosten kommen. Selbst im höchsten Gang bei niedriger Drehzahl beschleunigt der Indian-Motor bereitwillig aus dem Keller heraus. Das Fahrwerk ist etwas härter abgestimmt als das der Harley, passt aber auch besser, denn die Indian verleitet das ein oder andere Mal zu einer sportlicheren Gangart. Gedreht werden kann bis 8.000 Umdrehungen und da, wo der Harley die Luft ausgeht, bei rund 6.000 Touren, geht bei der Indian erst richtig die Post ab.

Eingeschränkt wird das Fahrvergnügen auch hier bauartbedingt durch einen relativ geringen Schräglagenwinkel. Der ist zwar etwas größer als bei der Harley, mit 29 Grad aber durchaus ausreichend.

Glaubensfrage oder nicht, trotz der teilweise höheren Preise hat Indian in nur 3 Jahren seit Verkaufsstart rund 10 % der typischen Harley-Käuferschicht erreicht. Und Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft.