GTÜ-Sommerreifentest 2016: Hohe Fahrsicherheit bei Markenreifen – hohes Risiko bei Billigreifen

14 aktuelle Profile der Größe 225/45 R 17 im Vergleich

Ist beim Reifenkauf teuer wirklich besser? Die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung wollte es genau wissen und hat gemeinsam mit der Auto Zeitung 14 verschiedene Sommerreifen zwischen 210 und 430 Euro pro Satz intensiv getestet – darunter die Neuheiten von Dunlop, Falken, Goodyear und GT Radial sowie drei Billigreifen aus Fernost.

Klarer Sieger im GTÜ-Sommerreifentest 2016 mit der Wertung „sehr empfehlenswert“ ist der ContiSport Contact 5 (390 Euro pro Satz), der in den letzten Jahren immer weiter optimiert wurde. Der Conti-Dauerläufer setzt sich mit dem kürzesten Bremsweg auf nasser Fahrbahn selbst von nagelneuen Produkten wie den zweit- und drittplatzierten Goodyear Eagle F1 Asymmetric 3 (410 Euro) und Dunlop Sport Maxx RT2 (390 Euro) deutlich ab. Der Pirelli P Zero (370 Euro) – in der Gesamtwertung gleichauf mit Dunlop – sichert sich mit sehr guten Fahreigenschaften bei Nässe und Trockenheit ebenfalls ein „sehr empfehlenswert“ der Tester (siehe Ergebnistabelle).


Foto: Kröner/GTÜ

Foto: Kröner/GTÜ

Bemerkenswert ist, dass die vier besten Reifenmarken in diesem Test den Entwicklungsschwerpunkt auf Griffigkeit und Fahrsicherheit gelegt haben, statt in Sachen Effizienz ganz vorzufahren. Vor allem Pirelli macht das mit der Effizienzklasse „F“ auf dem EU-Reifenlabel deutlich. Die Auszeichnung „sehr empfehlenswert“ erhält außerdem der neue Falken Azenis FK510 (300 Euro) auf Rang fünf, der mit sehr guten Aquaplaning-Eigenschaften und durchweg guter Performance auf trockener Straße überzeugt.

Ebenfalls sehr zu empfehlen ist der Nokian zLine auf Platz sechs, wobei dessen geringer Rollwiderstand zwar den Spritverbrauch senkt, was aber zu Lasten der Nasshaftung geht. Letzterer dürfte auch beim überarbeiteten und durchwegs gut abschneidenden Bridgestone Turanza T001 (370 Euro) besser sein. Mit seinem langen Bremsweg schafft er es nur auf den siebten Rang.


Foto: Kröner/GTÜ

Foto: Kröner/GTÜ

Billigreifen fallen beim Nassbremsen durch

Eine echte Gefahr bei Nässe sind nach wie vor die in diesem Test erneut gefahrenen drei Pneus aus chinesischer Produktion von GT Radial, Linglong und Westlake. Zwar kosten die Billigheimer im Vergleich zu den Premium-Reifen nur rund die Hälfte, wer beim Reifenkauf jedoch meint, sparen zu müssen, setzt bewusst auf volles Risiko, warnen die GTÜ-Experten. Der Sport SA-37 (210 Euro) von Westlake beispielsweise erhält null Punkte für den Bremsweg auf nasser Straße. Für eine Vollbremsung aus Tempo 100 benötigt der China-Reifen unglaubliche 66,9 Meter bis zum Stillstand. Zudem trägt der Reifen sogar ein M+S-Symbol. Wintertauglichkeit darf man von diesem Gummi mit Sommerprofil mit Sicherheit nicht erwarten, so die GTÜ-Reifenexperten.


GTÜ-Test Sommerreifen 02/2016: Tabelle der Testergebnisse · Grafik: Kröner/GTÜ

GTÜ-Test Sommerreifen 02/2016: Tabelle der Testergebnisse · Grafik: Kröner/GTÜ

So haben wir getestet

Luftdruck

Wir fahren alle Reifentests mit dem vom Hersteller empfohlenen Luftdruck und kontrollieren diesen unmittelbar vor jeder Testfahrt.

Fahrsicherheit

Dieser Punkt setzt sich aus subjektiven Eindrücken bei den Fahrten im Grenzbereich (Handling, Slalom, Nasskreis) zusammen.

Aquaplaning

Bei diesem Test fahren wir durch ein Wasserbecken – zunächst mit Tempo 60. In den folgenden Durchgängen steigern wir die Geschwindigkeit in Fünf-km/h-Schritten, bis der Reifen aufschwimmt.

Kontrolltest

Für die Tests mit den neuesten Produkten sind wir auf Reifen angewiesen, die uns noch vor Marktstart von den Herstellern zur Verfügung gestellt werden. Um mögliche Manipulationen aufzudecken, vergleichen wir diese vor Veröffentlichung in einem Kontrolltest stichprobenartig mit verdeckt im Handel gekauften Reifen. Bei dieser Kontrolle bestätigen die frei gekauften Pneus die Leistungen der gelieferten Testprofile eindeutig.

Stuttgart, den 24. Februar 2016