GTÜ testet Lackversiegelungen: Polymer bringt mehr

Synthetische Versiegelungen als Alternative zum klassischen Autowachs. Mehr Glanz, frischere Farben und Langzeitkonservierung für den Autolack

Foto: Hoffmann/GTÜ

Foto: Hoffmann/GTÜ

Raus aus der Waschanlage und rein in den unerwarteten Regen. Schon wieder klebt der Straßendreck am Autolack, weil das aufgewirbelte Spritzwasser nicht sauber abperlt. Konservierende Versiegelungen verbessern die hydrophoben Eigenschaften des Lacks. So finden Wassertropfen keinen rechten Halt auf der Karosserie und laufen mit dem gelösten Straßenschmutz schneller wieder ab. Der neueste Trend sind synthetische Lackversiegelungen auf Polymerbasis, die wirkungsvoller als klassische Autowachse auf dem Blech haften sollen, stärker aushärten und eine höhere Schichtdicke erreichen können. Das macht sie resistenter gegen Waschanlagenbürsten und Chemikalien in Waschzusätzen. So bleiben Glanz und Konservierungswirkung länger erhalten.

Die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung hat sechs synthetische Lackversiegelungen geprüft. Testsieger mit dem Prädikat "sehr empfehlenswert" wurde Sonax Xtreme Protect + Shine Hybrid NPT vor Armor All Shield Lackversiegelung. Als "empfehlenswert" erwiesen sich Meguiar's Mirror Glaze Professional Synthetic Sealant 2.0 und Menzerna Power Lock Ultimate Protection, als "bedingt empfehlenswert" Chemical Guys Jet Seal und Chem-Tools Acryshield.

GTÜ-Test Polymerversiegelungen 2016: Tabelle der Testergebnisse · Grafik: Kröner/GTÜ

GTÜ-Test Polymerversiegelungen 2016: Tabelle der Testergebnisse · Grafik: Kröner/GTÜ

So hat die GTÜ getestet

Ein Dutzend Bewertungskriterien dienten der Einstufung der Testprodukte. Zum Start studierten die GTÜ-Prüfer die Bedienungsanleitungen, die ihnen nicht immer aussagekräftig erschienen. So liefert Menzerna zwar ein paar markige Werbesprüche, aber keinerlei Hinweise darauf, wie Power Lock zu verwenden sei.

Bei den Themen Auftrag und Handhabung sowie Trockenzeit und Abwischen zählte der Komfort für den Anwender. Die GTÜ-Experten bearbeiteten dazu einen gut erhaltenen, sechs Jahre alten Einser BMW mit schwarzem Buntlack und einen gerade mal zwei Jahre alten Passat Variant in schwarz-metallic. Auf Motorhaube und Dach der beiden Fahrzeuge waren jeweils Testfelder für die einzelnen Produkte abgeklebt worden. Im Ergebnis sollten die Versiegelungen beim Schwammauftrag weder kleben, noch bremsen und möglichst nur kurz antrocknen müssen. Das überschüssige Material sollte mit einem Poliertuch bei minimalem Kraftaufwand ohne zu schmieren wieder abgenommen werden können.

Noch wichtiger war den GTÜ-Testern die Wirkung der Polymerversiegelungen. Nach Auftrag der Versieglungen auf die Testwagen und in der Abfolge von zehn Waschprogrammen in einer Portalwaschanlage beurteilten sie den Zustand des Lackes hinsichtlich Farbauffrischung, Gleichmäßigkeit, Glanzgrad und Glanzschleier. Farbfrische und störende Streifen, Schlieren oder Wolken wurden mit dem Blick des Lackprofis beurteilt. Die Bestimmung von Glanzgrad und Glanzschleier hingegen erfolgte mit einem speziellen optischen Messgerät. Der Glanzgrad ist dabei eine Maßzahl dafür, wie stark ein einfallender Lichtstrahl vom Lack reflektiert wird. Glanzschleier entsteht durch Streulicht. Je weniger Streulicht gemessen wird, desto besser hat die Versiegelung gewirkt.

Die meisten Punkte konnten sich die getesteten Versiegelungen mit der Qualität der Konservierungswirkung verdienen. Denn dafür werden sie schließlich gekauft. Die GTÜ-Prüfer sprühten dazu nach Auftrag der Testprodukte und nach jedem der zehn vorgesehenen Waschvorgänge mit einer Sprühlanze Wasser auf den trockenen Lack, um dann das sogenannte Netzverhalten auf dem Lack zu beurteilen. Viele kleine Wassertropfen, die schnell ablaufen, lassen auf eine stark hydrophobe Konservierungsschicht schließen und sind ein Gradmesser dafür, wie gut die Fläche gegen Umwelteinflüsse jeglicher Art geschützt ist. Ungünstig sind Wasserfilme, die nur langsam aufreißen und zögerlich ablaufen, so wie das bei Chemical Guys und Chem-Tools praktisch schon vor dem ersten Waschanlagendurchlauf der Fall war. Entsprechend war bereits nach der fünften Wäsche bei diesen Produkten verglichen mit der unbehandelten Referenzfläche der Testfahrzeuge praktisch keine Konservierungswirkung mehr feststellbar. Ein gutes klassisches Autowachs leistet da zu wesentlich günstigeren Preisen sogar mehr. Meguiar’s und Menzerna wurden von den Lackexperten der GTÜ schon deutlich besser beurteilt. Sehr schwache Konservierungswirkung war hier immerhin auch noch nach der zehnten Wagenwäsche zu verzeichnen. Die leistungsstärksten Versiegelungen von Sonax und Armor All lieferten bis zur fünften Wagenwäsche sogar sehr gutes bis gutes Netzverhalten. Nach Wäsche Nummer 10 zeigte Armor All immerhin noch befriedigendes Netzverhalten. Sonax hingegen lag da immer noch bei sehr guten bis guten Konservierungsergebnissen.

Stuttgart, den 14. Januar 2016